Simson S51 aus Ungarn

      Simson S51 aus Ungarn

      Hallo,
      in letzter Zeit habe ich vermehrt in diversen Verkaufsplattformen S51 gesehen, die ursprünglich aus Ungarn stammen (zu erkennen an einem H = Hungary in der Typenbezeichnung auf dem Typenschild). Da es mich interessierte, wie es für diese mit der Beantragung einer Betriebserlaubnis (Fahrzeugpapiere) aussieht, habe ich mal beim KBA angefragt und folgende Antwort erhalten:
      "Reimportierte Fahrzeuge benötigen immer eine Einzelbetriebserlaubnis durch die örtlich zuständige Straßenverkehrsbehörde. Diese wird in der Regel ein Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen (a.a.S.) vor der Erteilung der Betriebserlaubnis fordern. Für solche Fahrzeuge ist weder die ABE der ehem. DDR noch eine ABE der BRD gültig. Oft werden die Ausstattungen sowie die Höchstgeschwindigkeiten solcher Fahrzeuge auch von den Festlegungen in den deutschen Betriebserlaubnissen abweichen, was der a.a.S. feststellen muss."
      Daraus ergibt sich eigentlich unweigerlich folgendes, da diese KKR demnach nicht unter den bekannten Passus im Einigungsvertrag fallen:
      Somit können reimportierte Simson S51 entweder eine Betriebserlaubnis als Kleinkrafträder mit 45km/h-Höchstgeschwindigkeit (mit Fahrerlaubnisklasse M) oder als Leichkrafträder mit mehr als 45km/h-Höchstgeschwindigkeit (z.B. 60km/h) erhalten und benötigen dann die Fahrerlaubnisklasse A1.
      Oder liege ich hier völlig falsch ?
      Ulf
      naja musst dann halt zum Sachvertständigen hin und schauen was der sagt.

      Ich denke wenn man da an den richtigen gerät gibt es da absolut keine Probleme. die Teile fahren ja eh nur 45 und am Ende kann man da die 60 auch eintragen lassen.



      aber mal andersrum, ich will nicht wissen wie viele von den Ungarn-Mopeds bei uns ohne Typenschild rumfahren, kann ja keine Sau mehr nachvollziehen wenn das ab ist.

      scrap schrieb:



      schweißgeräte scheißen mit STROM.
      die 60km/h-Zulassung gibt es nur für KKR, die bis zum 28.2.1992 im
      "Beitrittsgebiet" eine Zulassung hatten. Da die Erstzulassung in der BRD aber
      nach diesem Datum erfolgt kann es auch nur eine Zulassung entsprechend der zum
      Zeitpunkt der Erstzulassung gültigen STVZO geben. Und dies ist eben für KKR eine
      Höchstgeschwindigkeit von 45km/h.
      Außer natürlich man manipuliert wie vorgeschlagen das
      Typenschild, was aber eigentlich nicht zulässig ist.
      Desweiteren muß so ein
      Fahrzeug an die deutsche (DDR bzw. BRD) STVZO angepaßt werden. Ich habe nochmal
      etwas im Internet gesucht und folgende Dinge gefunden:
      * Typbezeichnung:

      - S51 ... H40 => Reduzierung auf 40 bzw. 45km/h Höchstgeschwindigkeit

      - S51 ... H
      * Besonderheiten (eigentlich ...H40)
      - keine
      Soziusfußrasten, da nur Solozulassung
      - keine Hupe, dafür (Fahrrad-) Klingel

      - kein Tacho
      - längerer Krümmer zur Leistungsreduzierung
      - keine Blinker
      - ...


      sieht man sehr gut hier: http://www.ebay.de/itm/251217305511

      Ulf
      was ist denn wenn so ein Fahrzeug bereits vor 1992 reimportiert wurde, also somit auch vor 1992 in deutschland zugelassen/versichert wurde. Somit wäre doch auch ein H auf dem Typenschild und der Einigungsvertrag usw. wären anwendbar?!

      Müsste man so eine Geschichte nachweisen oder liegt die Nachweispflicht bei der Behörde?
      Hallo

      die Regelung aus dem Einigungsvertrag gilt nur für Fahrzeuge, die vor dem
      28.02.1992 im Beitrittsgebiet mit einer Betriebserlaubnis auf Grundlage der
      Vorschriften der ehem. Deutschen Demokratischen Republik ausgestattet waren.



      Für die "Alt"-BRD gilt:

      Diese Fahrzeuge waren, als Sie in der BRD in den
      Verkehr gebracht wurden, mit einer Betriebserlaubnis nach den Vorschriften der
      Bundesrepublik Deutschland ausgestattet, in der regelmäßig auch die zulässige
      Höchstgeschwindigkeit festgelegt war(Allgemeine Betriebserlaubnis gem. § 20
      StVZO z.B. für Alleinvertriebsberechtigte Fa. Neckermann oder Fa. Lange etc.
      oder Einzelbetriebserlaubnis nach § 21 StVZO). Diese gelten weiterhin.



      @ jensauszeitz
      die Beantwortung Deiner Frage ist schwierig. Dies hängt immer etwas von der Person gegenüber ab. Bei der Neuausstellung der Betriebserlaubnis kann auf jeden Fall ein Gutachten verlangt werden, daß die Übereinstimmung zur STVZO (Tacho, Hupe, ...) bescheinigt. Das Problem ist, daß für diese Typen im Normalfall auch die offiziellen Umbaurichtlinien nicht greifen.
      Es könnte auch sein, daß einige dieser eigentlich für den Export vorgesehenen Fahrzeuge hier verkauft wurden. Ich kenne dies z.B. von MZ ETZ 250 (Getrenntschmierung). Diese wurden aber Mitte der 1980'er noch ab Werk auf DDR-STVZO-Standard umbebaut. Nach der Wende im Rahmen eines Konkurses kann dies natürlich anders abgelaufen sein, dann gab es für diese aber auch keine Betriebserlaubnis mehr (Ähnlich wie bei der Versteigerung von beschlagnahmten KFZ: ohne Garantie und Rückgaberecht, eventuell Vollabnahme notwendig).
      Ulf
      So eine Einzelgenehmigung kann man sich machen lassen, kostet aber eine Menge Geld, weil dazu ein Vollgutachten nach §21 nötig ist, das teuer von TÜV/Dekra gemacht werden muß (danach muß dieses beim Amt gestempelt werden, was nochmals Geld kostet).
      Ob da dann 60 km/h als Höchstgeschwindigkeit eingetragen wird, wird vom Sachverständigen abhängen (d.h. wieviel Lust oder Ahnung der hat). Wenn man ihm sagt, daß das Ding bei der Herstellung 60 fahren durfte, bevor es exportiert wurde, kann das klappen, - muß aber nicht (ich habe mir für einen Hühnerschreck, der eigentlich mit 40 eingetragen wird, 25 eintragen lassen für den Fall, daß ich ´mal keinen Führerschein mehr haben sollte; hat niemanden interessiert).

      Finanziell und vom Aufwand her wird es aber einfacher sein, einen "DDR"-Rahmen zu besorgen (und evtl. die KBA-Papiere dazu, falls die originalen nicht mehr vorhanden sein sollten) und das Moped darauf umzubasteln.
      Von daher ist die Möglichkeit der Ausstellung einer Einzelgenehmigung (s.o.) lediglich theoretisch, da praktisch ein anderer Rahmen besser ist.

      Wenn man unbedingt den Ungarn-Rahmen behalten und damit fahren will, besteht noch die Möglichkeit, sich einen kaputten "DDR"-Rahmen zu besorgen und den Ungarn-Rahmen auf diese Papiere umnummern zu lassen (als Austauschrahmen für den kaputten).
      Das ist aber ebenfalls teuer und aufwendig, also auch lediglich theoretisch.

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Schwabe“ ()

      Soviel ich gesehen habe, steht das H doch nur auf dem Typenschild, ne?
      Zumindest haben die bei mir liegenden H Rahmen kein weiteres H mehr.
      Somit ergäbe sich doch die Möglichkeit einfach nur das Schild ab zupopeln
      und eines ohne nachprägen lassen.
      Oder wäre dies problematisch?
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      Die schönsten Momente waren einmal als der selbst frisch gemachte Motor ansprang und durchzog,
      der andere als ich das Gefühl hatte ein verkehrssicheres, zuverlässiges Moped aufgebaut zu haben.
      Meine Kleine fährt wundervoll. :love:

      SparkyGLL schrieb:

      Soviel ich gesehen habe, steht das H doch nur auf dem Typenschild, ne?
      Zumindest haben die bei mir liegenden H Rahmen kein weiteres H mehr.
      Somit ergäbe sich doch die Möglichkeit einfach nur das Schild ab zupopeln
      und eines ohne nachprägen lassen.
      Oder wäre dies problematisch?



      nö. das sollte so machbar sein. Wie gesagt wer weiß wie viele das schon so gemacht haben.

      scrap schrieb:



      schweißgeräte scheißen mit STROM.
      Bei dem ganzen Umgenummer und Rahmengetausche kommt mir aber noch ein Gedanke. Die Ungarnexporte (um bei dem Beispiel zu bleiben) lassen sich also einzig durch das H-auf dem Typenschild historisch nachweisen.

      Sollten den dann nicht die Sammler und "Orginal"-Liebhaber an dieser Stelle laut schreien? Wird das H entfernt oder die anderen Änderungen auf DDR-Stand zurück geschraubt, ist es kein Exportmodell mehr. Genau diese Diskusion wurde vor einiger Zeit sehr energisch wegen eines Neckermann Spatz geführt, der letztlich auch "nur" ein Exportmodell ist. Ohne Typenschild + Rahmennummer glaubt einem Später keiner mehr dass es so ein Modell war?

      Warum gibt es bei einer S51 so wenig Wiederstand und bei einem Spatz entsteht so ein Trubel?


      Umgekehrt bin ich der Meinung, die Seele des Mopeds steckt in der Rahmennummer, alles andere ist nur angeschraubtes Blech. Tauscht man also die Nummer hat man hinterher ein anderes Moped - das ist an dieser Stelle meine moralische Vorstellung zu diesem Thema, technisch relevant ist das natürlich nicht.

      jensauszeitz schrieb:

      Bei dem ganzen Umgenummer und Rahmengetausche kommt mir aber noch ein Gedanke. Die Ungarnexporte (um bei dem Beispiel zu bleiben) lassen sich also einzig durch das H-auf dem Typenschild historisch nachweisen.

      Sollten den dann nicht die Sammler und "Orginal"-Liebhaber an dieser Stelle laut schreien? Wird das H entfernt oder die anderen Änderungen auf DDR-Stand zurück geschraubt, ist es kein Exportmodell mehr. Genau diese Diskusion wurde vor einiger Zeit sehr energisch wegen eines Neckermann Spatz geführt, der letztlich auch "nur" ein Exportmodell ist. Ohne Typenschild + Rahmennummer glaubt einem Später keiner mehr dass es so ein Modell war?

      Warum gibt es bei einer S51 so wenig Wiederstand und bei einem Spatz entsteht so ein Trubel?


      Umgekehrt bin ich der Meinung, die Seele des Mopeds steckt in der Rahmennummer, alles andere ist nur angeschraubtes Blech. Tauscht man also die Nummer hat man hinterher ein anderes Moped - das ist an dieser Stelle meine moralische Vorstellung zu diesem Thema, technisch relevant ist das natürlich nicht.


      Ja, jeglicher Wiederstand ist sinnlos. Gibt 2 Kategorien. Die Einen sammeln und erhalten was seltenes, die Anderen brauchen nur was billiges zum Fahren bis zum Autoschein, dann fliegt der Mopedkrempel eh auf den Schrott.

      Aber muss jeder selbst wissen.
      Ja, wenn das H nur auf dem Schild ist und auf der Rahmennummer nicht, man sich anhand letzterer vom KBA Papiere schicken lassen kann, dann einfach nur ein neues Schild ohne H draufmachen. Fertig.
      Niemand merkt es, niemand weiß es.

      Und die (Neckermann-Spatzen) Liebhaber können ja nach Ungarn fahren und LKW mit Rahmen beladen, auf deren Schild das H drauf ist, und danach stolz in der vollen Scheune stehen und sich freuen, daß sie Mengen der "seltenen" Exportmodelle besitzen (mit denen sie ohne Einzelgenehmigung - auf 45 km/h? - nicht fahren dürfen ...) ...

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      Inzwischen stellt sich das Thema doch etwas anders dar. Das KBA hat "aufgerüstet" und viele Lieferlisten elektronisch erfaßt, so daß sie an Hand der Rahmennummer bei vielen Simsons wissen, ob diese Exportvarianten waren oder nicht. Aus diesem Grund nutzt auch ein Tausch des Typenschildes nichts mehr.
      Einige Anbieter versuchen dies durch manipulierte Papiere zu umgehen. Wird man damit erwischt stellt dies eine Urkundenfälschung dar und dies ist eine Straftat dar (dejure.org/gesetze/StGB/267.html). Ein geändertes Typenschild stellt zumindest eine arglistige Täuschung (BGB) dar. Beides führt aber dazu, daß man mit einer ungültigen BE (da falsche ABE als Grundlage dient) unterwegs ist.

      Ulf