Nö ists nicht. Restauration = Neuaufbau, zu 100 Prozent Original, Baujahresgetreu
Neuaufbau = Aufbau nach eigenen Vorstellungen.
Wenn wir schon wortklauben wollen, dann nach den Standards der internationalen Oldtimer-Organisationen.
Restaurieren heißt Bestzustand herstellen ohne (!) dabei die Historie des einzelnen Fahrzeugs zu zerstören - also eben gerade nicht einen Rückbau auf Neuzustand, sondern ganz im Gegenteil den Erhalt jedes brauchbaren Originalteils und ausdrücklich gerade der Originalteile, die durch Schäden, Abnutzung oder zeitgenössische Veränderungen während der Gebrauchszeit eine individuelle Historie zeigen.
Rückbau auf Neuzustand heißt dort Renovieren, der Lateiner erkennt, dass in diesem Wort auch "neu" drinsteckt.
Nach diesem Standard muss z.B. meine Schwalbe das zerkratzte und eingerissene Alublech unter dem Lenker behalten, weil dort mit hartem Bleistift dereinst der Kaufpreis von 1675.- Mark draufgekratzt wurde und diese Kratzkunst heute noch zu lesen ist. Dass das Mädel vom Zweiradgeschäft in Aue damals die Fahrzeugfarbe erzgebirgisch dialektkorrekt als "rod" eingetragen hat, verbietet die Bestellung neuer Papiere beim KBA. Auch die Lackausbesserung hinten am Panzer, wo Opa Krause damals die Oma hinten vom Sozius runtergefallen ist, erzählt eine Geschichte.
Eine Renovierung zerstört diese Geschichte.
Oder mein Citroen CX hier: Die zehn Zentimeter schwarzer Unterbodenschutz außen auf den Türen sind Historie - so hat man damals 1976 nunmal versucht, der grausigen Blechqualität in Europa ein wenig Kontra zu geben. Der Wappenaufkleber am Armaturenbrett vom Billigurlaub an der Adria 1978 bleibt auch zwingend dran.
Das heißt aber umgekehrt auch nicht, dass jede verbeulte Ranzbude als "historisch authentisch" besonderen Wert hätte.
