Da in einigen Beiträgen immermal wieder Mopeds aus Ost und West miteinander verglichen werden und ich mich für deutsche Mopeds im allgemeinen, egal von wo, interessiere, hier mal ein paar Dinge die vielleicht nicht jeder weiß.
In der Zeit vor dem 2. Weltkrieg gab es in Deutschland eine vielzahl von Firmen, die auch motorgetriebene Zweiräder produziert haben. Einige davon erlebten in der frühen Nachkriegszeit einen wahren Boom, galt es doch die deutsche Zivilbefölkerung zu mobilisieren. Die wenigsten PKW\'s haben den Krieg überstanden, neue durften erstmal nicht produziert werden und als es wieder welche gab, waren diese für Normalbürger unerschwinglich. Das mit dem Volkswagen gegen geklebte Marken hat ja, wie wir heute wissen, auch nicht funktioniert, auch wenn der KDF-Wagen später als Käfer tatsächlich produziert wurde.
Also fuhr man zunächst Fahrrad, das war immerhin schon mal kompfortabler und auch schneller als zu Fuß gehen. Daraus entstand schnell der Wunsch, das ganze noch mit einem Motor zu betreiben. In der russisch besetzten Zone, also der späteren DDR, enstanden so die Marken AWO, IWL, MZ und Simson (ich hoffe ich hab keine vergessen).
Welche Marken im Westen Mofas, Mopeds und Motorräder produzierten, kann ich beim besten Willen nicht aufzählen, allein in meiner Heimatstadt Bielefeld waren es 55(!). Adler, Miele, Dürkopp, Rabeneick, Rixe - nur um mal die bekanntesten zu nennen.
Als der Wunsch nach Mopeds abebbte und der Kauf eines PKW\'s mehr und mehr realistisch wurde, stellten nach und nach der Großteil der Firmen die Produktion von Zweirädern wieder ein und gerieten, zumindest als Fahrzeughersteller, in Vergessenheit.
Zumindest im Westen, im Osten gingen die Uhren ja etwas anders. Und so produzierten Simson und MZ noch lange Zeit Fahrzeuge. Im Westen überlebten nur ganz wenige und das sind nunmal die bis heute bekannten wie Herkules, Zündapp und Sachs.
Von den Bielefelder Herstellern überlebte Rixe am längsten, das Werk schloss 1984 endgültig seine Tore.
Erst nach der Wende einte sich dann die Geschichte der deutschen Mopeds wieder, egal ob ost oder west, wirklich Konkurenzfähig waren alle nicht mehr. Der einzige Hersteller, der überhaut noch erwähnenswerte Marktanteile hat, ist wohl BMW.
Schade eigentlich, deutsche Mopeds galten in ihrer Blütezeit immer als qualitativ hochwertig, inovativ, zuverlässig und wegweisend. Nur billig waren sie nie und das ist wohl in der Geiz ist geil Zeit das ausschlaggebende...
Chrom
