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An den Antlantik und zurück

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      An den Antlantik und zurück

      Tag - 120?

      Früh ging es los, die Planung um den Urlaub.

      Was wird dieses Jahr gemacht? Wir beide wussten es nicht und in dieser Erkenntnis gelangten wird zu dem Entschluss, dass wir etwas zusammen machen wollten.

      Wir, das sind Felix und ich, Timo.

      Ich wollte schon lange an die Normandie, besonders die Landungsabschnitte des 2. Weltkriegs interessieren mich, Felix schwärmte noch von seinem Urlaub in Bordeaux und einhergehender Bekanntschaften, Frankreich wurde also schon manifestiert.
      Desweiteren wurden wir uns schnell einig, dass wir zusammen urlaub machen wollen.

      Während wir philosophierten was denn alles machbar wäre, kam von Felix die Idee - einmal mit dem Moped wäre auch mal was, sofort war ich hellauf und sog die Idee in mich auf - Solche Worte hätte ich von ihm nie erwartet - mein Traum war es schon lange.

      Zwar fahre ich schon länger Motorrad und habe damals meine Schwalbe gegen ein schönes Motorrad eingetauscht, doch der Traum von damals, mit der Schwalbe nach Korsika, war geplatzt.

      Irgendwie hingen wir also in den Gedanken, mit dem Moped nach Frankreich.

      Wir sind Träumer und haben lange darüber geredet.

      Dass wir es machen, dachten wir an dem Punkt wohl selber nicht...

      Nach circa 2 Wochen überlegen und schwärmen haben wir es nun doch fest gemacht.

      Wir machten "Nägel mit Köpfen" und begaben uns ernsthaft auf die Suche, natürlich nach einer Simson.

      Ich glaube es war anfang April, wir kauften die erste Simson - eine S50 - ein schönes Exemplar mit guter Historie.

      490€ wechselten den Besitzer und die S50 wanderte in meinen 206.

      Einen überholten Motor bekamen wir für 320€ aus dem Forum, vorab war klar, ohne VAPE machen wir das sowieso nicht.

      Genug andere Fehlerquellen gibt es an den Mopeds und auf Zündungsprobleme und nerviges Einstellen an Unterbrechern hatten wir sowieso keine Lust.

      Mehr dazu hier: Vorstellung und Reiseplanung, Vape Einbaubericht

      Die erste Simson lief nun halbwegs, 4 Wochen später habe ich mir einen Teilehaufen für nicht viel weniger gekauft.

      Für 450€ habe ich mir eine S50N mit S50B1 Rahmen angetan, wenigstens den Büffeltank hatte das Elend dabei.
      Vollgestopft mit Farbe, Dreck und alles was da noch reinpasst. Zum Glück war er nicht durchgerostet, ist aber selbst nach 2 Stunden Betonmischer und Säurebad immer noch nicht ganz sauber, aber tolerabel.

      Den Motor habe ich auch hier im Forum überholen lassen und mir gleich einen 60er Zylinder gegönnt, die komplette Kiste neu verkabelt und mit Blinker und Zündschloss versehen.
      Lediglich der S50N Aufkleber erinnern noch an das ehemalige S50N Leben, der Rest ist ein Mix aus Rost, Patina und neuen Teilen, ein bunter Mix und irgendwie unstimmig, aber meine kleine hässliche Ente.

      Nun wurde fast jedes Wochenende geschraubt, wir haben unendlich viel in Vorbereitungen gesteckt, sehr zermürbend, denn so viel zeit haben wir auch nicht mehr übrig, zumal die Schraubermöglichkeiten bei uns begrenzt sind.
      Zwar habe ich eine eigene Garage, jedoch ohne Strom und meine Nachbarn können das Elend immer mitbetrachten, nicht schön wenn man gerade neu eingezogen ist und der neue Mieter der einzige ist, der seine Garage als Werkstatt statt als Abstellort für sein Auto verwendet :D

      Unsere erste Testfahrt in den Harz, rund 350 Kilometer verlief mit kleinere Problemchen, dennoch erfolgreich.

      Bei mir stellten sich Glühzündungen und Klingeln am Moped heraus. An Felix' Moped stellten wir fest, dass der Gasgriff nur provisorisch dran gebastelt wurde und der Bowdenzug auch schon mal repariert wurde.

      Unsere zweite größere Testfahrt, 1 1/2 Wochen vor Tourbeginn, endete nach 3 Metern mit abgerissenen Fußrasten, natürlich wieder bei Felix.

      Ein böses Ohmen?

      Die Fußrasten haben wir dann für wenig Geld bei beiden Kisten nagelneu gemacht, zuvor wurden die sparsamen MZA Schweißpunkte aber noch nachgebessert.

      Soweit zur Vorgeschichte...

      Tag -1

      Es war Freitag, das erste Urlaubsbier wurde getrunken und wir begaben uns an letzte Schrauberarbeiten.
      Felix musste seine Koffer noch irgendwie ans Moped bekommen, ich brauchte noch einen Bremslichtschalter.

      Wir wollten um 20Uhr bei unseren Freunden und unserem Startpunkt in Fröndenberg bei Dortmund sein, natürlich haben wir es erst um 21 Uhr geschafft.
      Wenn bei uns eins planbar ist, dann die Verspätung.

      Tag 1, Samstag der 5. August.

      Der Tag begann regnerisch, keiner hatte den ernsthaften Antrieb los zu fahren.
      Wir wollten uns sowieso schon nicht stressen, wenn wir schon bei unseren Freunden sind, dann können wir auch erst mittags los.
      Gut gefrühstückt und ein bisschen mit den Kindern gespielt.

      Felix verbrachte den halben Tag in der Garage mit packen und musste immer noch sein Koffersystem perfektionieren.
      Sporadisch kam ich raus und packte immer wieder mal mein Moped, Stück für Stück :D

      Dank des Gepäcksystems meiner Yamaha, welches ich an die Simson portiert habe, sowie einiger Erfahrung mit Motorradreisen, war ich relativ geübt darin.
      Felix ist zwar in Fahrradreisen geübt, muss seine Erfahrung aber erst ans Moped anpassen.
      Und wenn man auch erst am selben Tag überlegt was man alles an Klamotten braucht, dauert es sowieso schon länger.

      Gegen 14 Uhr wurde ich ungeduldig, Felix verbrachte den ganzen Tag in der Garage und zur Kyr des Tages, musste er seinen Hauptständer schwarz lackieren, des war wichtig!
      Ich habe noch schnell bei ihm einen Ölwechsel gemacht. Gut so. Das Öl war milchig und irgendwie kamen auch nur 350ml raus.
      Ob das am kalten Motor lag? Wahrscheinlich. Uns war es aber auch relativ egal, 500 wieder rein und fertig, so viel kann schon nicht drin hängen bleiben.

      Mit mächtig Verspätung hörte sogar der Dauerregen auf und wir wollten los, es war 15:45 und es wurde ernst.

      Die Fahrt begann mit Regenkombi, was sich als gute Entscheidung erwies, denn es war weitestgehend regnerisch.

      Der erste Stopp erfolgte 2km weiter in Fröndenberg an der Tankstelle.
      Einmal vollgetankt und den Reifendruck überprüft, plötzlich lag Felix unter seinem Moped, er war umgekippt :D

      Außer einer kleinen Benzinpfütze war jedoch nichts passiert.

      Wir stellen das Navi kürzeste Strecke auf "Hinter Köln ein" und fahren stumpf, mal sehen wie gut "der Scout" (Handyapp Scout) das macht.

      Die Strecke war eigentlich recht schön. Durch Wuppertal durch, gediegene Serpentinen und schöne ruhige Strecken.
      Man wundert sich schon, wie schön das Ruhrgebiet sein kann.

      Kurz vor Wuppertal war die Strecke gesperrt.

      Wir nahmen das Risiko in kauf und fuhren durch, die richtige Entscheidung, samstags sowieso!

      Die Strecke war schön und wir trafen auch einen Simsonfahrer, leider kam er uns nicht hinterher und uns fehlte die Zeit, ihm zu folgen - also blieb es bei einem Gruss.

      Von da an wechselten sich Stadt und Land ab und plötzlich waren wir in Köln.

      Wir wollten eigentlich nicht direkt durch Köln fahren, aber es führte kein vernünftiger Weg um Köln herum.
      Es dauerte eine Ewigkeit Köln zu durchfahren und wir trafen die Entscheidung, in Köln einen Campingplatz an zu steuern, es muss auch schon gegen 19 Uhr gewesen sein.

      Östlich vom Rheinufer fanden wir einen netten Campingplatz.

      Nach dem Einkaufen ließen wir den Abend mit Kölsch und Fertignudeln ausklingen.

      Der Abend endete gegen 11 Uhr mit einsetzendem Regen.

      Gefahren: ca. 116km
      Bilder
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      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „Timb0o“ ()

      Tag 2

      Der Tag begrüßte uns mit Sonnenschein und Wind.Wir bauten ab und waren noch nicht ganz in Form.
      Es war 13 Uhr bis wir los kamen.
      Nach 3min. Fahrzeit war Felix plötzlich weg und ich musste umkehren, da bin ich doch tatsächlich 3 Mal über die für Mopeds gesperrte Brücke gefahren :D
      Felix stand strahelnd an der Uferpromenade und meinte, wir bräuchten noch ein Foto mit dem Dom.
      Flux versperrten wir den Fußweg mit unsererm Gespann und schossen ein paar Bilder.Ich war etwas genervt und wollte Strecke machen.J
      etzt wo ich die Bilder sehe, bin ich für jedes einzelne dankbar!Nun aber geht es endlich weiter. Mitten durch Köln durch, zum Glück war es Sonntag.
      Es war zwar nicht wenig los, aber der Verkehr hielt sich in Grenzen und alle waren halbwegs entspannt, Sonntag ebend.Nach ca. einer Stunde kamen wir aus Köln raus, eine Schnellstraße führte geradewegs aus dem Ballungsgebiet hinaus.
      Dort trafen wir ein älteres Pärchen auf ihrem Roller, die haben wohl die Drossel rausgenommen und wir lieferten uns ein Kopf an Kopf Rennen.Ich konnte sie geradeso abziehen, Felix mit seinem Motor leider gnadenlos unterlegen, so ließen wir die beiden unter Hupen und Grinsen ziehen, alle hatten Spaß :)
      Nun ging es immer weiter und langsam lichteten sich die Straßen, es begann hügelig zu werden.Wir durchfuhren die Eifel und durch Simmerath, dann durch Belgien, dann durch Luxemburg, dann waren wir wieder in Belgien.
      Ich gab dem Navi immer nur ein paar Kilometer voraus (ca. 50), den Rest der Route bestimmte ich nach Laune, sodass dabei nicht der kürzeste Weg heraus kam aber Umwege sind wir auch keine Gefahren.Die Strecke quer durch Belgien und Luxemburg waren - um das vorweg zu nehmen - die schönste der ganzen Reise.
      Südbelgien ist wunderbar hügelig, winzige Örtchen, verbunden durch winzige Sträßchen welche über sanfte Hügel führen.
      Wenig bis teilweise gar kein Verkehr und überall die netten kleinen Fritterien, deren Inhaber nach belgischer Manier auch oft deutsch sprechen.
      So hielten wir gegen Nachmittag an einer besagten Fritterie an und aßen original belgische Pommes mit Cola.Das Wetter war den ganzen Tag über super. Diese schöne Strecke, der Bauch endlich voll, wir hatten beste Laune, auch wenn schon etwas geschlaucht.
      Bis hier müssen es schon ca. 160km gewesen sein und wir hatten zu Beginn gerade mal einen Schnitt von knapp über 40km/h, reiner Fahrschnitt!
      So kam es, dass wir es diesen Tag nicht mehr bis nach Frankreich schafften, jedoch bis direkt an die Grenze.
      Wir schlugen unsere Zelte in Florenville auf einem Campinglatz auf.
      Natürlich waren wir das Highlight und alle Nachbarn lachten mit uns oder über uns, egal, sie lachten und waren genau so glücklich wie wir!

      Gefahrene Kilometer 190-200km
      Bilder
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      Ich breche hier mal die Regeln, ich stoße leider an die 10.000 Zeichen Grenze und so ist es auch übersichtlicher.

      Tag 3

      Es war die kälteste Nacht auf der Reise. Optimistisch hatten wir natürlich "nur" unsere Sommerschlafsäcke dabei, dessen Komfortbereich unter 14 Grad endet.
      Die Nacht war saukalt, es müssen so um die 8 Grad gewesen sein, dazu nass und feucht, der Fluss nebenan dabei wenig hilfreich.
      Mein Tacho meldete irgendwann morgens 12 Grad, da schien aber schon 20 min. lang die aufgehende Sonne drauf.

      Wir versuchten uns zu beeilen, aber erstmal galt es bei Kaffee und der einsetzenden Sonne aufzutauen.
      Wir zogen das Morgentempo an aber kamen ohne Stress gegen halb 12 auf die Piste.

      Kurz noch den Einkauf erledigt. Während ich mit dem Routinecheck beschäftigt war, hatte ich ein nettes Pläuschchen mit einem belgischen Rentner, der konnte ziemlich gut deutsch. Er erzählte, wie er damals mit seiner Kreidler und Sozius unterwegs war...

      Es wurde wieder ein wunderschöner Tag und nach 5 Minuten waren wir in Frankreich. Die erste schöne Stelle bot uns ein Platz zum Frühstücken.
      Hügelig ging es weiter durch die Ardennenausläufe und die Straßen in Frankreich waren nicht weniger schön, das Navigieren per Handy klappte perfekt.
      In Frankreich wurden die Distanzen allerdings größer, die Straßen auch minimal. Je weiter man sich von der belgischen Grenze entfernt, desto flacher wird das Land. Wir fuhren nun das letzte Stück nach Chalon en Champagne quasi querfeld ein, mitten durch die Champagne.

      Die Strecke führte direkt durch den Wald. Es war weniger eine Straße, als ein Wirtschaftsweg, kaum breiter als ein Fahrradweg, welcher alsbald zu einer holprigen Feldpiste wurde, super genial und erlaubt war es auch!

      Durch die engsten Gassen und die kleinsten Dörfer vollführte das Navi Kunststücke und so mancher Weg war nicht mal direkt als Straße zu erkennen.

      Das kostet Zeit, macht aber super viel spaß.

      Ab Chalon war dann alles vorbei. Je größer man die Entfernungen ins Navi eingibt, desto "schneller" und weniger direkt ist der Weg.
      Dazu kommt natürlich auch der Umstand, dass im flachsten Land die größeren Straßen gleichzeitig auch die kürzesten sind, es geht schlicht einfach geradeaus.

      "Jaja, geradeaus, datt kennen wir anner Nordsee auch" :D

      Neeeeee... ich rede von hunderten Kilometern, einfach nur geradeaus. Alle paar Kilometer kommt ein leichter Knick, auf der Piste gar nicht zu registrieren, auf der Karte erkennt man diese jedoch schon.

      Den schönen Teil des Tages hatten wir ja schon erlebt und so gaben wir uns der endlosen Geradeausfahrerei hin.
      Ein "Highlight" dabei, ein Gebeinehaus aus dem ersten Weltkrieg. Die Frontlinie war an einer Tafel angeprangert, die Krater überall zu erkennen.

      Davon hätte ich gerne mehr gesehen, doch wir wollten weiter und nicht schon in den ersten Tagen alles erleben, wir wollten durchfahren um den Urlaub dann voll auszuschöpfen...

      Verzweifelt suchten wir bei jeder Pause einen Weg von dieser Straße herunter, aber es gab kein Entkommen.

      Den restlichen Tag verbrachten wir mit fahren.
      Rechts und links konnte man teilweise 30-40km weit schauen, nichts als trockene Felder, ein paar Wassertürme und riesige Kornspeicher.
      Abgesehen von den paar grünen Flecken, erstreckt sich das Inland ein paar hundert Kilometer durch Frankreich und es sieht überall genau so aus.
      Irgendwie verzaubernd, aber der Wüste ziemlich ähnlich. Den Verkehr störte das nicht.
      Dies war eine wichtige Verbindungsstraße und wir wurden die ganze Zeit überholt.
      Regelmäßig tauchten LKW im Rückspiegel auf, alles nicht sehr schön.

      Aber selbst dort, nirgendwo sind die Autofahrer unfreundlicher als in Deutschland. Kein Drängeln und kein gefährliches Überholen, alles sehr respektvoll und entspannt!
      Und das hat sich auf unserer ganzen Reise kaum geändert.

      Den Resttag verbrachten wir also auf der Route.
      Um euch einen kleinen Eindruck zu vermitteln wie gerade es ist, habe ich ein Screenshot des Streckenabschnittes eingefügt.
      Hinter Troyes wird es bis Saint Florentin etwas besser.

      Überall wo rechts und links etwas grün ist und die Straßen nicht ganz schnurgerade, kann man ausweichen und sich eine nette Strecke suchen, ansonsten hilft nur augen zu und sturr geradeaus fahren.

      Bei der vielen Fahrerei hatten wir versäumt einzukaufen, es gab aber auch nicht wirklich viel und als wir gegen 20Uhr in Saint Florentin ankamen, hatte alles dicht.

      Nach dem Zeltaufbau macht gerade das Campingrestaurant dicht und wir suchten in der Stadt etwas zu essen.
      Gegessen hatten wir an diesem Tag praktisch nichts :(
      Wenigstens fanden wir nach ewigem Suchen eine Dönerbude, nur der Bierdurst wurde an diesem Abend nicht gestillt, das blieb aber die Ausnahme.

      Gefahren: ca. 280km

      Genaue Statistiken werde ich nachtragen, das habe ich weitestgehend notiert :)

      Nachtrag:
      Ich habe ein Video vom Fahren gemacht. Es war ein einsames Stück, kein einziges Auto, nur ein paar Trecker auf den Feldern verrieten, dass hier Menschen leben, irgendwo. Dieses Stück war nicht annähernd so trostlos wie die Hauptstraße, trotzdem vermittelt es einen kleinen Eindruck, wie die Landschaft dort aussieht Dieses Stück müsste kurz vor Chalon en Champagne sein und leider bin ich erst nach 10km auf die Idee gekommen, das zu filmen. Da Felix geheizt ist wie ein Irrer und nach 3km dann tatsächlich eine Kurve und eine Ortschaft kam, konnte ich leider nicht mehr filmen:
      Bilder
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      Danke :)

      Tag 4, es ist Dienstag.

      Es ist Dienstag. Spielt das eine Rolle? - Solange es nicht Sonntag ist und wir genügend Biervorräte haben, ist uns der Wochentag egal, Urlaub eben.

      Wir machten Tempo beim Abbauen. Die Routine begann ihren Gang zu nehmen, jeder hatte sein System, ich war jedoch immer etwas schneller, was meinem Koffersystem zu verdanken ist. :P Ich packe meine Koffer bereits direkt im Zelt zusammen, während Felix alles in Döschen und Taschen verstaut und dann direkt am Moped in seine Koffer bugsieren muss, da diese nicht abnehmbar sind.
      Ich nehme es gelassen und warte geduldig.
      Meistens nutze ich die Zeit und entspanne mich oder mache noch ein paar kleine Checks an den Mopeds.

      So wie auch in Belgien. Ich tauschte bei beiden Mopeds die Hauptdüsen.
      Felix bekam eine 71 (statt 70) und ich eine 74 (statt 70)

      Das Leistunsloch bei Vollgas wurde bei beiden Kisten dadurch deutlich besser und sie wurde mit gezogenem Startvergaser nun auch nicht mehr wirklich schneller.
      Trotzdem fuhren wir bergab meistens mit Choke, sicher ist sicher.

      Wir wollten unser Frühstück diesmal ins Dorf verlegen, den Abend zuvor hatten wir während unserer Essenssuche ein Cafe entdeckt.
      So kam es, dass wir bereits um halb 11 auf Achse waren, ein Rekord!

      Das Cafe erwies sich als nicht tauglich und wir fuhren ohne Cafe und Frühstück einfach weiter.
      Ich hatte den Abend zuvor etwas Routenplanung betrieben und so begann die Strecke traumhaft.
      Weg von der Hauptverkehrsader, den direkten Weg durchs Gebüsch.
      Da hier alles recht flach ist, sind auch die Nebenstrecken relativ schnur gerade und teilweise kein großer Umweg.
      Solange man nicht direkt von Stadt zu Stadt fährt, sogar kürzer.

      Winzige Sträßchen. Keine Berglandschaft aber ein Traum gegenüber dem Vortag.

      Es war nicht sonderlich warm, vielleicht 20 Grad und bedeckt.

      So spulten wir unsere ersten 40km ab, es war gerade halb 12 und wir gingen in einem Supermarkt frühstücken. Gut und günstig!
      Es war eine größere Stadt, ich glaube Auxerre

      Weiter fuhren wir über Nebenstrecke richtung Atlantik, das Ziel sollte La Rochelle sein.
      Es begann irgendwann hügeliger zu werden, die Landschaft immer schöner. Wir waren in Burgund!

      Wir überquerten die Loire, schöner flacher Fluss, eine klasse Landschaft!
      Alte Schlösser und Anwesen stehen in Frankreich sowieso an jeder Ecke, aber die größeren Städte imponieren zusätzlich mit alten Burgen und Brücken, wie eine Zeitreise. Die Altstädter solcher Dörfer sind sowieso seit hunderten Jahren unberührt.

      Kurz hinter der Loire, wir fuhren schon den halben Tag parallel zu einer pechschwarzen Regenwolke, striffen wir dessen Ausläufer, zum Glück nur die Ausläufer.

      Noch während wir unsere Regensachen anzogen, begann es zu regnen, immer heftiger....
      Hach, schön. So was wollte ich auch schon immer mal machen, zwar nicht bis zum Atlantik runter, aber in die Gegend um Verdun, Chalons en Champagne, Troyes. Bin da früher öfters beruflich rumgefahren, deswegen genieße ich euren Bericht (lauter alte Erinnerungen)
      ...Felix hatte zwar eine Regenhose und wasserdichte Schuhe, jedoch nur eine imprägnierte Motorradjacke.

      Diese hielt auch eine ganze Zeit dicht, während meine Füße bereits klitschnass waren.
      Seine wasserdichten Schuhe in Ehren, nur lief im das Wasser der Hose direkt in die Schuhe 8o
      Wir waren also beide nass.

      Ich war bis auf Schuhüberzieher gut ausgestattet und Felix' Jacke hielt auch eine ganze Zeit dicht, nur leider nicht ewig.

      Dann setzte Gewitter ein.
      Durch (bestimmt) hübsche burgundische Hügel fuhren wir in der Hoffnung, dem Wetter zu entkommen.

      In der Tat war die Chance recht groß. Wir befanden uns in einem Tal und in die Richtung in die wir mussten, sah das Wetter besser aus.

      Während wir also vor dem Regen verzweifelt flohen, müssen wir das Zentrum des Gewitters erreicht haben.
      Es war zwar nicht heftig, aber ist man erstmal drin, ist knallt auch ein kleiner Blitz.

      Plötzlich führte die Straße aus einem Dorf, hinauf auf einen Hügel. Ringsherum nichts, nur in der Ferne war außer uns ein einsamer größerer Baum...

      Als ein Blitz nur ein paar hundert Meter vor uns einschlug, bekam ich schon ziemlich schiss und wollte nur noch auf niedrigeres Terrain.
      Den Gashebel so kräftig wie möglich gezogen und weit über den Lenker gebeugt suchte ich den schnellsten Weg herunter von dem Hügel.

      Im sicheren Tal angekommen wurde der Regen auch etwas weniger.

      Felix hatte den Blitz wohl nicht gesehen und auch sonst schien ihm das Gewitter entgangen zu sein, daher war er scheinbar ein bisschen entspannter als ich.

      Wir bequatschten uns, versicherten uns dass die geplante Route auch richtung Schönwetter liegt und fuhren weiter, der Regen hörte auch recht bald auf.

      Wir fuhren also weiter durch das wunderschöne sanfte Burgund, die Sonne versicherte uns sporadisch ihrer Existenz und wir genossen die Strecke.

      Als es zeit für Pause wurde und ich wiederholt an der Spitze eines Hügels auf meinen schwächer motorisierten Mitfahrer gewartet habe, klagte er über wenig Leistung, noch weniger als sonst.

      Klar, es hatte geregnet, da kann schon mal die Leistung nachlassen, wer kennt das nicht.

      Wie durch Zufall drehte ich an seinem Vorderrad, die Bremse schleifte deutlich, das könnte es doch sein...

      Nachdem wir die leistungsfähige Simsonbremse durch Reindrehen der Schraube noch ein wenig mehr ihrer atemberaubenden Bremskraft beraubt hatten, drehte das Rad nun frei.

      Frei, aber nicht gut.

      Es gab deutliche Laufgeräusche von sich und man spürte deutliche Rastpunkte.

      Genug Anlass das Rad zu demontieren.

      Während die Handschuhe am Motor "trockneten" und ich meine Socken wechselte, sahen wir das Unglück.

      Die Lager seines Vorderrades hatten wir vor der Tour als noch tauglich empfunden und demnach nicht gewechselt.

      Dumm nur, dass diese nun völlig kaputt waren.
      Der Lagerkäfig lächelte uns an und quittierte seinen Dienst, eine Kugel war auch schon im Nirgendwo unterwegs, definitiv ernst!

      Nun, was blieb uns schon übrig.
      Die sonst so geniale Netzabdeckung in Frankreich war auch hier nur dürftig, genutzt hätte es uns dennoch nicht viel.

      Wir setzten unsere Tour nun gemäßigt fort und hielten an der ersten Werkstatt, die wir fanden.
      Wir versuchten dem Chef unser Problem zu verdeutlichen und begannen das Vorderrad auszubauen, damit er unser Unglück verstand.
      Der erneut starke einsetzende Regen ließ uns wieder (oder noch mehr) nass werden, der nette Herr bat uns in seine trockenen Hallen und wir bauten das Vorderrad aus.
      Sofort wurde im klar, was unser Problem ist.

      Leider musste er uns vertrösten, Ersatz hätte er nicht auf Lager und verwies uns an den nächst größeren Ort.

      So fuhren wir noch gut 30km weiter und landeten in Vierzon auf einem Campingplatz, dem wenigstens günstigsten unserer Reise.

      Es war mal wieder spät geworden, aber es reichte noch, uns mit Bier und Essen einzudecken.

      Den Abend suchten wir eine Motorradwerkstatt raus und fuhren diese am nächsten Mittag an.

      Wir versuchten den Herrschaften klar zu machen, dass unser "Roulemont" defekt sei.
      "Roulemont de Roules", Rollende Rolle oder was auch immer das wortwörtlich bedeutet, das sagte zumindest der Übersetzer.
      "Roulemont" reicht im Übrigen aus, um ein Kugellager zu betiteln :P

      Die 3 Franzosen waren auch ratlos und meinten, sie hätten auch eigentlich geschlossen und viel zu tun.
      Trotzdem waren sie hilfsbereit und konnten sogar englisch.

      Fast hätten sie uns vertröstet. Kurz bevor unserer Unterhaltung vorbei war, haben sie jedoch begriffen, dass wir Standardkugellager suchen und verwiesen uns auf einen Autoteilehandel gleich um die Ecke.

      Dort angekommen sprach natürlich keiner Englisch und unser Französisch ist auch nur dürftig.

      Ich konnte dem Herrn ein Bild eines SKF 6201 zeigen und er verstand. Höflich und geduldig mit uns waren sie auf jeden Fall alle.

      Wir orderten also 2 Radlager und eins für den Kettenmitnehmer.

      Der war bei Felix zwar neu gemacht, allerdings auch schon ziemlich verschlissen, wieso kann ich nicht sagen.

      Nachdem wir bestellten, schaute ich mir bei beiden Mopeds alle Lager an.

      Seine neuen hinteren Radlager waren auch defekt, hier schien jedoch die Distanzhülse schuld gewesen zu sein.

      Bei meinem Moped waren die Lager so schwergängig, dass sie sich per Hand kaum drehen ließen, auch hier muss die Distanzhülse Probleme machen. Aber irgendwie schienen sogar auch die neuen Lager allesamt defekt zu sein, vielleicht sind es doch keine originalen SKF, sondern irgendein Plagiat. Ich werde auf jeden Fall Kontakt zu dem ebay Händler herstellen.

      Die Nacht in Vierzon war mal wieder saukalt. Trotz langen Klamotten und dicker Motorradjacke kaum auszuhalten.
      Wir opferten eine Edelstahlschüssel und versuchten ein Feuer zu machen.

      Außer dass wir den ganzen Campingplatz eingeräuchert haben, kam nicht viel bei rum...

      Den nächsten Morgen verbrachten wir zügig mit packen und gegen 10 holte ich die 3 Lager für satte 31€ ab und kaufte noch den billigsten Hammer im Supermarkt.

      Voll Glück und mit den Radlagern in der Tasche, steuerten wir den Supermarkt an, um Proviant für die Weiterfahrt zu besorgen.

      Unterwegs trafen wir auf eine jugendliche Gruppe mit getunten Rollern, das war ein Spaß! 8o

      An der Ampel gab es interessante Beeugungen, die Gendarmerie die gerade zufällig vorbei fuhr, hat nur blöd geguckt.
      Ich hoffte nur, dass die nicht zurück kommen und uns zusammen mit den Jungs kontrollieren.

      Wir ließen alle die Motoren heulen und an der Ampel habe ich denen erstmal gezeigt, was so eine Simson alles kann.

      Ich schoss davon und der King der Gruppe brauchte einen Moment, um den Vorsprung aufzuholen.
      So irre wie die dort alle sind, überholte er innerorts alles was ging, nur um nach dem nächsten Kreisverkehr direkt am Supermarkt zu halten.

      Witzig wars auf jeden Fall.

      In Rekordzeit wechselten wir nun die beiden Radlager. Natürlich hatten wir kein Fett, also musste gute Kindercreme und 2 Taktöl zur Schmierung her, kein Problem!

      Das nun heile Vorderrad mit intakter Hülse wanderte nach hinten, das mitgenommen aber durchaus noch nutzbare Hinterrad wurde nach vorne gebaut und die Radmutter einfach nicht so fest angezogen, sodass dieses sich auch frei drehen konnte 8o

      Mein Lagerproblem habe ich einfach ignoriert.

      Wir zahlten den Campingplatz, die Kosten beliefen sich auf 16€ für 2 Personen, 2 Mopeds, 2 Zelte und 2 Nächte und dieser war gar nicht mal schlecht! - Die Dame muss sich verrechnet haben...

      Weiter ging es erstmal ohne Regen, lange sollte das aber nicht anhalten.

      Wir wollten es den Tag bis ans Meer schaffen, es waren 300km zu stemmen. Hart aber machbar.
      Von der Strecke weiß ich leider nicht mehr viel, viel gäbe es auch nicht zu erzählen.
      Es war den ganzen Tag am Regnen wie aus Eimern.

      Nach einer kurzen Pause sprang mein Moped nicht mehr vernünftig an. Ich schob es auf die Feuchtigkeit aber seit diesem Tag wollte die Gute nur noch angeschoben werden, vermutlich Spätfolgen der zu großen Hauptdüse, drum gekümmert habe ich mich bis heute noch nicht.

      Meine Blinker sind den Tag auch abgesoffen. An Felix' Moped hatten wir die Tage zuvor bereits das Blinkerrelais abgeklemmt, da dieses dauerhaft am Klacken war (Wasser im Schalter + weiterer Defekt irgendwo)

      Meine gingen irgendwie noch und ich war zu faul das Relais abzuklemmen, sie leuchteten schließlich noch, auch wenn ganz schnell.

      Diesen Tag schafften wir glaube ich gerade mal 116km und landeten irgendwo auf einem 5 Sterne Campingplatz.

      Kein Schnäppchen aber gut bezahlbar.

      Der Abend endete mit einem schönen Burger mit Pommes, der Burger sah fantastisch aus, schmeckte aber dermaßen abartig.
      Satt aber unzufrieden gaben wir uns unserer einzigen Flasche Wein hin und ließen den langen Abend mit Schuhetrocknen unter dem Handfön im Waschhaus ausklingen.

      Neuer Tag, neues Glück.
      Der Wecker klingelte früh, wir hatten viel vor.
      Das Plätschern um 8 ließ uns jedoch einstimmig in unseren Zelten verharren und ausschlafen, ohne dass wir uns überhaupt darüber abstimmen mussten. Nass war sowieso schon alles, die ersten Pfützen bildeten sich in meinem Zelt, noch ein Tag nass fahren war definitiv keine Option.

      Gegen 10 Uhr ließ der Regen nach und wir krochen aus unseren Zelten...

      Kleiner Funfact am Rande: Wem die Froschhupe an meinem Moped aufgefallen ist... Diese wurde natürlich tatkräftig benutzt und bei jedem Moped oder Mädel das uns begegnete, entfaltete der Frosch seinen Charme
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Timb0o“ ()

      Timb0o schrieb:

      ließen den langen Abend mit Schuhetrocknen unter dem Handfön im Waschhaus ausklingen.

      Zwar eigentlich Luxus, aber wenn man noch etwas Platz im Gepäckabteil frei hat... Kann man auch hervorragend in ein paar Schuhe hinein stecken und dann im Gepäck versenken, dann nehmen die quasi 0 Zusatzplatz weg :)

      Wobei meine Motorradstiefel erstaunlicherweise das Wasserdichteste Teil meiner Motorradkluft sind (neben dem Helm)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „racingcologne“ ()

      @real knallfrosch: Wie gerne wäre ich in Badehose gefahren. Nur habe ich bereit, nicht noch mein Innenfutter für meine Motorradjacke genommen und die Motorradhose zuhause gelassen zu haben. Kurz: Es war eigentlich immer frisch bis arschkalt.

      @racingcologne: Da investiere ich das nächste Mal gleich in bessere Schuhe :D

      Tag 8

      ....der erste Weg führte zum Waschhaus. Das Bier und der Wein des Vorabends wollten wie immer ab 7 Uhr schon aufstehen.
      Da ist man schonmal zum Ausschlafen gezwungen, da kommt sowas.

      Bis 10 wurde jedoch angehalten, dann ging es erstmal unter die warme Dusche.
      Nach der ausgiebigen Morgenwäsche ging ich zurück zum Zelt.
      Felix war bereits dabei den Kaffee aufzugießen. Blöd nur, dass der Regen auch Kaffee mag.

      Unter unserem Baum war es eine ganze Zeit lang relativ trocken, irgendwann tröpfelt aber jeder Baum durch.
      Unserer werten Nachbarn, Holländer, drückten uns einen Regenschirm in die Hand.
      2 Minuten später wurde aus dem Regenschirm ein Sonnenschirm und so blieben wir wenigstens vorerst trocken, sehr freundlich :)

      Irgendwann gegen 11 hörte es tatsächlich auf zu regnen.
      Nachdem unsere Nachbarn bereits mit Packen fertig waren, hielten wir noch einen kleinen Plausch.
      Das übliche halt: Wo wir hinwollen, wo wir herkommen, usw.

      Der beste Spruch des Tages: "If you have problems, do not call us!" (natürlich mit Humor untermalt) :D

      Gegen 12 kamen wir vom Platz runter und hielten vor dem Platz, um ein kleines Frühstück einzunehmen.
      Der übliche Fraß: Baguette, Schokobrötchen und Salami.

      Da meine Handschuhe und Füße eh nicht nasser werden konnten, sparte ich mir diese mit Mülltüten einzupacken :D

      Von der Strecke weiß ich leider gar nichts mehr. Das Übliche halt.
      Teils öde mit schönen Abschnitten.
      Das Wetter meinte es jedoch gut und wir erreichten mit der Sonne das Meer :)

      Bis hier hin galt die Mission als geglückt! Wir konnten Zuhause berichten, dass wir das Meer erreicht haben und für uns den Sieg gegen aller Sprüche und Wetten verbuchen.

      Wir quartierten uns auf dem Campingplatz Les Sables ein, direkt am Meer.
      Irgendwie scheinen alle Simsonauten dieses Jahr, ordentlich bei Kälte geduscht worden zu sein. Deshalb fahren wir immer über die Alpen, da gibt's Sonnen- und Wärmegarantie.
      Die langen geraden Straßen in Frankreich hab ich auch noch in Erinnerung. Spaß macht es nicht aber man macht Strecke.
      Irgendwo habt ihr unsere Strecke gekreuzt. Wir sind von Paris, als wir da noch mit unseren Moppeds rein durften, nach Namyr und weiter ins Ruhrgebiet gefahren. Da konnten wir dann Knallis Gastfreundschaft in Bottrop genießen.
      Bin gespannt wie es weiter geht.
      geht nich und kann ich nich sind die brüder von will ich nich

      Der Alte schrieb:

      Irgendwie scheinen alle Simsonauten dieses Jahr, ordentlich bei Kälte geduscht worden zu sein. Deshalb fahren wir immer über die Alpen, da gibt's Sonnen- und Wärmegarantie.


      Na ja, ich wenigstens erst auf dem Rückweg, für den Hinweg hatte man bei mir zwar auch schlecht Wetter inkl. Gewitter+Unwetter Vorhergesagt. Aber zum Glück ist die Wettervorhersage heutzutage ja :p_aua: ...
      Und ich wollte ja nur bis in die Alpen :thumbup:

      ...und zurück

      Der Titel lautet ja "An den Atlantik und zurück"

      Dem aufmerksamen Leser mag aufgefallen sein, dass hier noch etwas fehlt.
      Das Winterloch ist nun so langsam überwunden, die Tage werden länger und der Frühling steht vor der Tür, zumindest behauptet das der Kalender.

      Wir verbrachten einige Tage auf dem Campingplatz "Les Sables", bis wir uns Felix' Simson vornahmen.

      Ich zerlegte die Kupplung um Felix' Kupplungsrutschen zu begutachten. Der konnte schon einige hundert Kilometer kein Vollgas mehr geben, da sie das rutschen begonn.

      Die Beläge waren schon etwas abgenutzt, schade bei einem überholten Motor, aber noch im Rahmen.

      Beim Zerlegen der Kupplung viel mir auf, dass mindestens einer der Zuganker lose war.
      Da diese Teile auf Zug arbeiten und wir eh keine andere Wahl hatten, wurde alles wieder zusammen gebaut.
      Nach 3 oder 4 Tagen Pause, stand nun die Weiterfahrt auf dem Plan.

      Das Wetter war der Hammer, eigentlich schon morgens zu heiß.
      Wir fuhren also direkt drauf los.
      Das Navi spielte völlig verrückt. Dort wo wir waren, gab es eigentlich nur eine Richtung: Kraftfahrtstraße.
      Mit Not und Mühe konnte ich den Naviaufforderungen entgehen und parallel zur Kraftfahrtstraße durchs Wohngebiet.

      Irgendwann hatte ich allerdings die Nase voll und hätte uns fast auf die Kraftfahrtstraße geführt, damit wir der unklaren Straßenlage entgehen und endlich Strecke machen konnte.

      Gut nur, dass ich mich anders entschied und wir weiter durchs Wohngebiet fuhren. Eine Minute später höre ich hinter mir ein Krachen und Felix blieb stehen.
      Sofort war kar, die Kupplung hat sich zerlegt.
      Gut nur, dass wir noch in einer Seitenstraße und nicht auf der Kraftfahrtstraße waren.

      Wir demontierten direkt den Kupplungsdeckel und sahen das Unheil: Besagter Zuganker war abgerissen, die Feder krumm und der Kupplungskorb war beschädigt, weiterfahren unmöglich.
      Es war mittlerweile an die 30 Grad, unser letztes Wasser war bereits lange getrunken, da wir die Trinkflasche als Ölauffanggefäß benötigten.

      Weiter fahren unmöglich?
      Unser Kurs stand fest, zurück zum Campingplatz. Nein, lieber doch der andere Platz, da der erste zu langweilig war und wenn wir wenigstens festhängen, dann auf dem "besseren" Platz.
      Da wir allerdings keine Lust zum Schieben hatte, habe ich mir Felix' Moped geschnappt und bin ohne Kupplung gefahren.

      Das ging auch ganz gut, nur anhalten ist nicht so schön, bzw. das Anfahren danach ;)

      Mit der richtigen Technik kann man zur Not auch ohne Kupplung fahren. Zum Anfahren muss man halt etwas Anlauf nehmen und zum Anhalten, den Leerlauf aus dem zweiten Gang heraus finden, kein Problem, wenn man vorausschauend fährt 8)

      Klingt angenehmer als es ist. Die Praxis zeigte, bis zum Campingplatz geht das, aber bitte auch nicht weiter.
      Wir organisierten noch am selben Tag ein neues Kupplungspaket bei Tacharo, dieser schickte es auch gleich am nächsten Morgen los.
      Blöd nur, dass wir zu geizig für den Expressversand waren, da wir dachten, die Lieferung käme innerhalb von 3-5 Tagen an. (So wie von DHL versprochen)

      Um das Ganze etwas abzukürzen: Wir verbrachten am Ende 8 Tage damit, auf das Paket zu warten.
      Am Morgen des 8. Tages stand fest, wir trennen uns.
      Wehmütig aber trotzdem in gesinnlicher Stimmung verbrachten wir damit, unsere Sachen zu packen.
      Felix war mit ADAC+ ausgestattet und telefonierte bereits mit den Herren.
      Ich hingegen war mutig (oder einfach dumm) genug, ohne Versicherung zu fahren und musste noch über 1000 Kilometer zurück nach Hause.

      Ich verbaute noch die besten Teile bei mir, z.B. das gute Radlager mit Babycreme und den Blinkgeber, sowie seine USB-Ladeanlage, da meine den Geist aufgegeben hatte.

      Gegen 12 Uhr verabschiedeten wir uns und ich trat den Rest der Reise alleine an.
      Mein Ziel stand fest.
      So lange nach Norden fahren, bis ich am Meer bin.
      Dann in ein Hotel oder irgendwo auf einer Bank schlafen - Ich wollt einfach Strecke machen und wäre auch bereit gewesen, die halbe Nacht durch zu fahren.
      Fortsetzung folgt :P
      Ich fuhr nun also, ganz alleine.
      Mit einem Schlag ist es eine ganz andere Atmosphäre.
      Man ist alleine, ohne moralische Unterstützung, ohne Jemanden, der neben einem hält, wenn
      die Maschine ihren Dienst quittiert.
      Es ging nunmehr weniger um die Reise, als um das nackte Vorankommen.
      Rund 1000 Kilometer trennten mich von der Sicherheit des eigenen Staates, der Muttersprache
      und auch der Gewissheit, dass mit jedem Kilometer den ich näher an Zuhause wäre, es einfacher
      wäre, mich zu retten.
      Es stand zwar fest, dass Felix mich aus meiner Situation befreien und mich abholen würde, sofern
      etwas passierte, doch diesen Joker wollte keiner von uns ins Spiel geworfen sehen, das stand fest.
      Und je näher ich der deutschen Grenze sei, desto zumutbarerer wäre diese Option auch für den Retter.
      Also galt nur eins, so weit nach Hause zu kommen, wie möglich.

      Doch vorher hatte ich eine Mission: Unsere Rundreise komplettieren.
      Der Umweg von meinem Ausgangspunkt La Rochelle über die Normandie hielt sich in Grenzen,
      vielleicht 300 Kilometer.
      Diese wollte ich an diesem angebrochenen Tag noch schaffen, sodass ich 2, maximal 3 Tage
      für die Rückreise von ab da an immer noch guten 1000Kilometer hätte.

      Mein Weg führte mich also gen Norden.
      Nur blöd, dass das Glück nicht auf meiner Seite stand.
      Kurz nach Verlassen des Campingplatzes resignierte meine Elektronik.
      Kein Frontlicht, kein Blinker und das schlimmste, die Navigations- und Kommunikationsgeräte
      waren in ihrer Funktionsdauer beschränkt.
      Bereits unter Zuhilfenahme meines Ersatznavis, wuselte ich mich über Nebengasse durch das
      Stadtzentrum von La Rochelle.
      Die einzige Option wäre Kraftfahrtstraße und danach stand mir der Sinn momentan überhaupt nicht.
      Nun konnte ich also alle paar Kilometer halten, das Navi kurz um Strom berauben, meinen Standort überprüfen
      und die weitere grobe Fahrtrichtung schätzen.

      Unter diesen Umständen eierte ich mehr schlecht als recht richtung Nantes und schaffte es irgendwie,
      dieses auch zu umfahren oder in die Nähe kommen. Die Details schwinden unter solchen Umständen leider.
      Mit einer Karte und etwas Planung, wäre das alles kein Problem. Die Straßen in Frankreich
      sind weitestgehend sehr logisch aufgebaut, nur hatte ich diese nicht.
      Kurz hinter Nantes, es war gegen 16:30, hielt ich und überprüfte mein Handy.
      Felix hatte mir in der Zwischenzeit geschrieben, dass unsere lang ersehnten Teile agekommen seien.
      Kurz flammte in mir die Hoffnung, er spielte den Mac Gyver, hätte alles bereits repariert und wäre mir
      bereits auf den Fersen, allerdings war seine Mopete schon längst abgeschleppt.
      Ich hatte die Schnauze einfach nur noch voll.
      Hätte ich licht für die Nachtfahrt und eine vernünftige Navigation, wäre das alles kein Problem gewesen.
      An diesem Punkt brach ich die Planung ab und suchte nur noch eine Richtung: Westen, Deutschland, so schnell
      wie möglich hier raus.
      Das Tagesende gipfelte darin, dass ich verzweifelt versuchte, die Stadt Angers zu umfahren.
      Nicht einmal das gelang mir, obwohl ich schon lange auf Kraftfahrtstraßen umgestiegen war, welche ich dank meines
      Tempos von souveränren 65Kmh auch halbwegs vernünftig befahren konnte. Es geht in Frankreich lange nicht so
      unfreundlich zu wie auf deutschen Straßen, das muss hier auch bemerkt werden!

      Ich gab schließlich auf und verlies die Straße ins Stadtzentrum von Angers, vorbei an den Motorradpolizisten, welche übrigens an jeder Ecke stehen.
      Irgendwo fand ich einen Supermarkt und suchte vergeblich eine Landkarte.
      Die Dame an der Rezeption sprach mich etwas misstrauisch an, da ich ohne etwas zu kaufen den Laden verlassen wollte.
      Als ich ihr klar machte, ich spräche kein Französisch, ließ sie mich gehen und ich fragte schnell noch
      ob sie wüsste, wo ich eine Karte bekäme. Ich muss gestehen, ich habe in dem Moment auch nicht sonderlich seriös ausgesehen.
      Als sie meine Lage erkannte, war sie dennoch freundlich und hilfsbereit, das beschriebene Einkaufszentrum habe ich
      dennoch nicht gefunden. Dafür ein Schild zu einem Campingplatz, gut dass es auch noch Schilder gibt!

      Gegen 19:45 checkte ich auf dem 5 Sterne Platz ein. Dass sie jemanden wie mich auf den Platz gelassen habe,
      war wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass sowieso nichts los gewesen war. Ich wäre aber so oder so nicht mehr abgehauen und
      hätte zur Not vor der Rezeption geschlafen, also haben die noch mal glück gehabt :D

      Die Dame an der Rezeption beschrieb mir sogar den exakten Weg zu dem Einkaufszentrum, welches - oh Wunder - bis 21 uhr
      geöffnet war - in Frankreich sehr selten!

      Ich kaufte Landkarte, Powerbank, ein Ladegerät und eine Flasche Wein.
      Den Abend verbrachte ich damit, mir die Flasche Wein hinter die Löffel zu kippen, meine Elektronikgeräte zu laden und plante meine Route per Landkarte.
      Mein Zelt hing ich ohne Überplane an einen Ast auf, es war kein Regen angesagt.
      Mir war zum Heulen.
      Ganz alleine, den Tag mit Umherirren verbracht und dem trauten Heim kaum näher gekommen.
      Ich hatte immer noch rund 1000km vor mir und 2 Tage zeit...
      Den Tag über bin ich glaube ich 350km gefahren (ab 13Uhr)
      Schreibfehler und Details werde ich bei Zeiten mal bearbeiten, Fortsetzung folgt.
      Respekt. Ich glaube so was zerrt ganz schön an den nerven, diese Ungewissheit, diese Spannung, fremdes Land, weit weg von zu Hause. Manchmal sind es nur kleine Dinge die fehlen oder schief gehen, die aber eine große Auswirkung oder nervliche Anspannung hervorrufen.

      Anderseits das macht irgendwie auch den Reiz einer Simson Tour aus; das Abenteuer, die Ungewissheit, das "verrückte", Freiheit, Spannung, einfach im Endeffekt über Mensch, Maschine und Natur gesiegt zu haben.
      Für den einen sinds 1000km irgendwie auch an einem Tag mit'm Auto schaffbar, für den anderen eine Weltreise, das ganz große Abenteuer auf der Simme.
      Ich kann dich gut verstehen.
      Sobald was an den Moppeds nicht mehr funktioniert, läuft im Hintergrund Plan b und c gedanklich ab.
      Wir hatten bis jetzt Glück, schlimmstenfalls mit Plan b haben wir es immer nach Hause geschafft.
      Bin gespannt wie es weiter geht.
      geht nich und kann ich nich sind die brüder von will ich nich
      Der Tag startete früh.
      Den obligatorischen Sleepmodus, den ich Wochentags bis ins Limit ausreize, habe ich direkt verworfen, ich war hellwach und voller Adrenalin.
      Zusammen mit der Morgendämmerung brachte ich die Flasche Wein zum Waschhaus, holte meine Powerbank und machte mich abreisefertig.
      Dein kurzer Wettercheck ließ verlauten, dass es kalt würde.
      Mein Navi programmierte ich auserhalb von Anders so ein, dass es mich an den Anfang meiner Kartenroute führt.
      Aus der Stadt heraus, nur mit Karte zu navigieren, erschien mir zu riskant - die Entscheidung war richtig.

      In Frankreich herschte zu diesem Zeitpunkt der Ausnahmezustand auf Grund der Terroranschläge, demnach war die Polizeipräsenz hoch und ich fühlte mich ohne mein Vorderlicht
      wie ein fahrender Polizeimagnet, was dem sowieso schon hohen Stresslevel nicht gerade Zugute kam.

      Als die Straßen lichter wurde und mich das weite flache Franzosenland begrüßte, sattelte ich auf Karte um.
      Die Strecke war gut zu fahren.

      Lange Landstraßen und alle 10km mal ein Kreisel.
      Da ich mir in größter Sorgfalt alle kleinen Orte und Straßennamen aufgeschrieben habe, konnte ich an jedem Kreisel stumpf die Ausfahrt nach Nummern verlassen und musste nur alle 30km kurz halten, um die Seite der Karte zu wechseln.

      So verfuhr ich in Windeseile gute 200km.
      Pausen gab es keine, Spritstand wurde nach Tacho ermittelt und bei langsamer Fahrt durch einen Blick in den Tank, so habe ich nur eine Pause von 10min einlegen müssen.
      Ein Tankstopp verging wie im Flug - Abgesprungen, Rüssel rein, bezahlt und weiter.

      Nach ca. 300km gingen mir die Karten aus, das war geplant, denn ab hier wollte ich wieder stumpf nach Navi fahren.
      Dem Navi also die kürzeste Route direkt nach Hause befholen und um Energie zu sparen, auf Kopfhörerbetrieb umgestellt - eine super Entscheidung.
      Von da an ging es noch schneller voran, das ständige Nachschauen auf den Karten und überlegen braucht auch immer etwas Zeit, so bin ich einfach nur nach Kommando gefahren und steigerte mein Tempo enorm.
      Mein Durchschnittstempo lag hier schon bei rund 50kmh!
      Stoppschilder gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange keine mehr und auf der gesamten Rückreise habe ich mindestens 200 davon überfahren, jeder Verkehrshügel und davon gibt es in jedem Kaff etliche, wurden so hart genommen wie möglich :D

      Am frühen Abend, es war ca. gegen halb 9, erreichte ich Sezanne. Ein beschauliches Örtchen und Kriegsschauplatz des 1. Weltkrieges.
      Ich wollte eigentlich weiter fahren, allerdings war mein Tank dagegen und alle Tankstellen waren bereits geschlossen, sodass ich den Campingplatz des Ortes, leider eine Stunde früher als ich wollte, ansteuern musste.
      Die Rezeption hatte leider kurz bevor ich kam dicht gemacht, die Dame wohnte dort allerdings und lies mich den Platz trotzdem betreten.

      Ich konnte also einchecken und am nächsten Morgen bezahlen.
      Der Haken dabei allerdings, die Rezeption öffnet erst ab 9Uhr.

      So verbrachte ich den Abend wieder mit Akkus laden, den letzten Seiten meines Buches und dem Vernichten der (halben) Flasche Wein, die ich in weiser Voraussicht unterwegs bei einem Lidl erworben hatte.

      Ich musste also "ausschlafen" und konnte bis 8Uhr liegen bleiben.
      Tagesstatistik: 488km, 11 Stunden unterwegs gewesen, davon reine Fahrtzeit 9,5
      Macht ein Durchschnittstempo von 51kmh

      Um Punkt 9 Uhr stand ich an der Rezeption und konnte los, die Tankstelle im Ort wurde angesteuert und diesmal direkt das Navi befeuert, da der Akku am Vortrag über den Kopfhörerbetrieb so gut gehalten hatte, dass ich optimistisch war, mit 2 Powerbanks bis nach Hause zu kommen.
      Es gab nur noch 2 Variablen: 520km und Zeit solange Licht ist. Leider hatte ich durch das späte Aufstehen gut 2 Stunden verloren.

      Diesmal gab ich noch mehr gas.
      Das Moped rannte so gut, dank des 60ers war in fast jeder Lage 60 souverän zu schaffen.
      Es ging durch wunderschöne Landschaften (Champgange) rein nach Belgien.
      Ab hier klebte ich auf der N89 und gab einfach nur noch vollgas ohne Rücksicht auf den Motor.
      Die Strecke war eine breit ausgebaute Kraftfahrtstraße. Kilometerlang bergauf und ebenso bergab.
      Bergab ging die Nadel richtung 80, bergauf war immerhin wenigstens 50drin.
      Das ging so 150km quer durch Belgien.
      Zwischendurch fuhr ich ab, machte 10min Pause und versuchte, eine ruhigere Route zu suchen, keine Chance ohne Zeitverlust.

      Also zurück auf die Straße und weiter vollgas ohne Rücksicht auf Verluste.
      Mittlerweile machte ich bergab nicht mal mehr den Choke rein, einfach nur: Gib ihm.
      Mein Durchschnittstempo lag mittlerweile bei rund 60kmh, Pause war bis auf Tanken keine mehr drin.
      Pinkeln muss man schließlich nicht, wenn man nicht trinkt ;(

      Die Strecke war eine der schönsten und irgendwie genoss ich die Rückfahrt trotzdem und weinte innerliche Tränen, dass ich in den wunderschönen Ardennen nicht mal halten konnte.
      Überall standen alte Panzer und Museen und Gedenkstätten der großen Kriege, sowas finde ich sehr interessant.

      Doch es nützte nichts, es gab nur eine Option: Gas geben oder scheitern.
      Meine Ankunft errechnet ich auf viertel nach 9, zu der Jahreszeit gerade nach im Hellen.

      In Deutschland, ca 30km vor Köln fuhr ich einen endlosen Berg, ca. 5km ging es stetig bergab und meine Simson war immer am Anschlag.
      Der Berg ging gerade zuende und ich fuhr noch mit Vollgas in den Ort rein und plötzlich war es vorbei.

      Ich weiß nicht wie sich ein Klemmer anfühlt, aber das war einer.
      Gut, dass ich immer die Hand an der Kupplung habe und binnen einer halben Sekunde getrennt habe.
      Der Motor starb und alles war aus.
      Ich hielt am Straßenrand, schraubte die Kerze raus.
      Kerzenbild wie immer.
      Dann trat ich den Kickstarter, es gab keinen Widerstand ;(
      Ich befürchtete ein Loch im Zylinder, allerdings war die Kerze nicht eingebaut, weshalb es auch keinen Widerstand geben konnte :a_zzblirre:

      Dann habe ich erstmal einen Tropfen 2Takt Öl in den Brennraum gegeben, ein paar Mal durchgetreten und... sie sprang an 8o
      Ich habe dann vorsichtshalber den Tank um einen Schluck Öl bereichtert und machte mich gaanz vorsichtig auf die Weiterfahrt.
      Zu meiner Überraschung lief die Möhre, als sei nie etwas gewesen.

      Nach einiger Zeit traute ich mich normal zu fahren aber bis Köln ging ich nicht mehr ganz so hart ans Limit wie zuvor und der Bergabchoke war auch wieder im Einsatz.

      So erreichte ich also Köln, allerdings zur Rushhour.
      Die Kolonne fedelte sich Kilometerlang richtung Stadtzentrum.
      Ab hier begann der Krieg auf deutschen Straßen und ich war in Kampfeslaune.
      Kurzerhand wurde also auf den Fahrradweg ausgewichen und der Stau bis zur Ampel umfahren und sowieso jeder Autofahrer an jeder Ampel zu einem Rennen aufgefordert, das ich zu meiner Zufriedenheit meist auf der rechten Spur gewann.
      Sobald frei war, wurde innerorts das Tempo auch bis vmax > 60 gedehnt, nur die nervigen Ampeln kosten zeit.
      Köln kostete mich 1,5 Stunden, eim Umfahren ist bis auf Autobahn allerdings nicht möglich.

      Die Zeit wurde knapp und meine Ankunftszeit verspätete sich auf 10 Uhr, keine Option, um halb 9 ist es stockduster.

      Irgendwann war ich in Wuppertal und mir ging die Zeit aus, zudem überall deutsche Polizei und ich ohne Licht.
      Im Zwielicht überholte ich irgendwann sogar innerorts widerrichtlich die Autos und fuhr einfach nur noch wie ein irrer :/

      Die restliche halbe Stunde musste ich im Dunkeln fahren, ohne Licht. Ich ließ den Blinker dauerhaft blinken, sodass man von vorne wenigstens irgendwas sieht und sah einfach nur noch zu, dass ich ankam.

      Um 21:35 erreichte ich im Dunkeln mein Ziel und viel zitternd vom Moped in die Arme meiner Freunde, welche mich bei sich in Empfang nahmen und mich mit Bier und Nürnbergen aufpeppelten.
      Tagesetappe: Über 550km, unterwegs von 9 bis 21:35, 12,5 Stunden unterwegs. Reine Fahrzeit weiß ich auch nicht, es müssen aber 11,5 Stunden gewesen sein. Eine Pause, ansonsten nur Tankstopps und Ampelgymnastik.

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