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An den Antlantik und zurück

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      Respekt. Ich glaube so was zerrt ganz schön an den nerven, diese Ungewissheit, diese Spannung, fremdes Land, weit weg von zu Hause. Manchmal sind es nur kleine Dinge die fehlen oder schief gehen, die aber eine große Auswirkung oder nervliche Anspannung hervorrufen.

      Anderseits das macht irgendwie auch den Reiz einer Simson Tour aus; das Abenteuer, die Ungewissheit, das "verrückte", Freiheit, Spannung, einfach im Endeffekt über Mensch, Maschine und Natur gesiegt zu haben.
      Für den einen sinds 1000km irgendwie auch an einem Tag mit'm Auto schaffbar, für den anderen eine Weltreise, das ganz große Abenteuer auf der Simme.
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      Ich kann dich gut verstehen.
      Sobald was an den Moppeds nicht mehr funktioniert, läuft im Hintergrund Plan b und c gedanklich ab.
      Wir hatten bis jetzt Glück, schlimmstenfalls mit Plan b haben wir es immer nach Hause geschafft.
      Bin gespannt wie es weiter geht.
      geht nich und kann ich nich sind die brüder von will ich nich
      Der Tag startete früh.
      Den obligatorischen Sleepmodus, den ich Wochentags bis ins Limit ausreize, habe ich direkt verworfen, ich war hellwach und voller Adrenalin.
      Zusammen mit der Morgendämmerung brachte ich die Flasche Wein zum Waschhaus, holte meine Powerbank und machte mich abreisefertig.
      Dein kurzer Wettercheck ließ verlauten, dass es kalt würde.
      Mein Navi programmierte ich auserhalb von Anders so ein, dass es mich an den Anfang meiner Kartenroute führt.
      Aus der Stadt heraus, nur mit Karte zu navigieren, erschien mir zu riskant - die Entscheidung war richtig.

      In Frankreich herschte zu diesem Zeitpunkt der Ausnahmezustand auf Grund der Terroranschläge, demnach war die Polizeipräsenz hoch und ich fühlte mich ohne mein Vorderlicht
      wie ein fahrender Polizeimagnet, was dem sowieso schon hohen Stresslevel nicht gerade Zugute kam.

      Als die Straßen lichter wurde und mich das weite flache Franzosenland begrüßte, sattelte ich auf Karte um.
      Die Strecke war gut zu fahren.

      Lange Landstraßen und alle 10km mal ein Kreisel.
      Da ich mir in größter Sorgfalt alle kleinen Orte und Straßennamen aufgeschrieben habe, konnte ich an jedem Kreisel stumpf die Ausfahrt nach Nummern verlassen und musste nur alle 30km kurz halten, um die Seite der Karte zu wechseln.

      So verfuhr ich in Windeseile gute 200km.
      Pausen gab es keine, Spritstand wurde nach Tacho ermittelt und bei langsamer Fahrt durch einen Blick in den Tank, so habe ich nur eine Pause von 10min einlegen müssen.
      Ein Tankstopp verging wie im Flug - Abgesprungen, Rüssel rein, bezahlt und weiter.

      Nach ca. 300km gingen mir die Karten aus, das war geplant, denn ab hier wollte ich wieder stumpf nach Navi fahren.
      Dem Navi also die kürzeste Route direkt nach Hause befholen und um Energie zu sparen, auf Kopfhörerbetrieb umgestellt - eine super Entscheidung.
      Von da an ging es noch schneller voran, das ständige Nachschauen auf den Karten und überlegen braucht auch immer etwas Zeit, so bin ich einfach nur nach Kommando gefahren und steigerte mein Tempo enorm.
      Mein Durchschnittstempo lag hier schon bei rund 50kmh!
      Stoppschilder gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange keine mehr und auf der gesamten Rückreise habe ich mindestens 200 davon überfahren, jeder Verkehrshügel und davon gibt es in jedem Kaff etliche, wurden so hart genommen wie möglich :D

      Am frühen Abend, es war ca. gegen halb 9, erreichte ich Sezanne. Ein beschauliches Örtchen und Kriegsschauplatz des 1. Weltkrieges.
      Ich wollte eigentlich weiter fahren, allerdings war mein Tank dagegen und alle Tankstellen waren bereits geschlossen, sodass ich den Campingplatz des Ortes, leider eine Stunde früher als ich wollte, ansteuern musste.
      Die Rezeption hatte leider kurz bevor ich kam dicht gemacht, die Dame wohnte dort allerdings und lies mich den Platz trotzdem betreten.

      Ich konnte also einchecken und am nächsten Morgen bezahlen.
      Der Haken dabei allerdings, die Rezeption öffnet erst ab 9Uhr.

      So verbrachte ich den Abend wieder mit Akkus laden, den letzten Seiten meines Buches und dem Vernichten der (halben) Flasche Wein, die ich in weiser Voraussicht unterwegs bei einem Lidl erworben hatte.

      Ich musste also "ausschlafen" und konnte bis 8Uhr liegen bleiben.
      Tagesstatistik: 488km, 11 Stunden unterwegs gewesen, davon reine Fahrtzeit 9,5
      Macht ein Durchschnittstempo von 51kmh

      Um Punkt 9 Uhr stand ich an der Rezeption und konnte los, die Tankstelle im Ort wurde angesteuert und diesmal direkt das Navi befeuert, da der Akku am Vortrag über den Kopfhörerbetrieb so gut gehalten hatte, dass ich optimistisch war, mit 2 Powerbanks bis nach Hause zu kommen.
      Es gab nur noch 2 Variablen: 520km und Zeit solange Licht ist. Leider hatte ich durch das späte Aufstehen gut 2 Stunden verloren.

      Diesmal gab ich noch mehr gas.
      Das Moped rannte so gut, dank des 60ers war in fast jeder Lage 60 souverän zu schaffen.
      Es ging durch wunderschöne Landschaften (Champgange) rein nach Belgien.
      Ab hier klebte ich auf der N89 und gab einfach nur noch vollgas ohne Rücksicht auf den Motor.
      Die Strecke war eine breit ausgebaute Kraftfahrtstraße. Kilometerlang bergauf und ebenso bergab.
      Bergab ging die Nadel richtung 80, bergauf war immerhin wenigstens 50drin.
      Das ging so 150km quer durch Belgien.
      Zwischendurch fuhr ich ab, machte 10min Pause und versuchte, eine ruhigere Route zu suchen, keine Chance ohne Zeitverlust.

      Also zurück auf die Straße und weiter vollgas ohne Rücksicht auf Verluste.
      Mittlerweile machte ich bergab nicht mal mehr den Choke rein, einfach nur: Gib ihm.
      Mein Durchschnittstempo lag mittlerweile bei rund 60kmh, Pause war bis auf Tanken keine mehr drin.
      Pinkeln muss man schließlich nicht, wenn man nicht trinkt ;(

      Die Strecke war eine der schönsten und irgendwie genoss ich die Rückfahrt trotzdem und weinte innerliche Tränen, dass ich in den wunderschönen Ardennen nicht mal halten konnte.
      Überall standen alte Panzer und Museen und Gedenkstätten der großen Kriege, sowas finde ich sehr interessant.

      Doch es nützte nichts, es gab nur eine Option: Gas geben oder scheitern.
      Meine Ankunft errechnet ich auf viertel nach 9, zu der Jahreszeit gerade nach im Hellen.

      In Deutschland, ca 30km vor Köln fuhr ich einen endlosen Berg, ca. 5km ging es stetig bergab und meine Simson war immer am Anschlag.
      Der Berg ging gerade zuende und ich fuhr noch mit Vollgas in den Ort rein und plötzlich war es vorbei.

      Ich weiß nicht wie sich ein Klemmer anfühlt, aber das war einer.
      Gut, dass ich immer die Hand an der Kupplung habe und binnen einer halben Sekunde getrennt habe.
      Der Motor starb und alles war aus.
      Ich hielt am Straßenrand, schraubte die Kerze raus.
      Kerzenbild wie immer.
      Dann trat ich den Kickstarter, es gab keinen Widerstand ;(
      Ich befürchtete ein Loch im Zylinder, allerdings war die Kerze nicht eingebaut, weshalb es auch keinen Widerstand geben konnte :a_zzblirre:

      Dann habe ich erstmal einen Tropfen 2Takt Öl in den Brennraum gegeben, ein paar Mal durchgetreten und... sie sprang an 8o
      Ich habe dann vorsichtshalber den Tank um einen Schluck Öl bereichtert und machte mich gaanz vorsichtig auf die Weiterfahrt.
      Zu meiner Überraschung lief die Möhre, als sei nie etwas gewesen.

      Nach einiger Zeit traute ich mich normal zu fahren aber bis Köln ging ich nicht mehr ganz so hart ans Limit wie zuvor und der Bergabchoke war auch wieder im Einsatz.

      So erreichte ich also Köln, allerdings zur Rushhour.
      Die Kolonne fedelte sich Kilometerlang richtung Stadtzentrum.
      Ab hier begann der Krieg auf deutschen Straßen und ich war in Kampfeslaune.
      Kurzerhand wurde also auf den Fahrradweg ausgewichen und der Stau bis zur Ampel umfahren und sowieso jeder Autofahrer an jeder Ampel zu einem Rennen aufgefordert, das ich zu meiner Zufriedenheit meist auf der rechten Spur gewann.
      Sobald frei war, wurde innerorts das Tempo auch bis vmax > 60 gedehnt, nur die nervigen Ampeln kosten zeit.
      Köln kostete mich 1,5 Stunden, eim Umfahren ist bis auf Autobahn allerdings nicht möglich.

      Die Zeit wurde knapp und meine Ankunftszeit verspätete sich auf 10 Uhr, keine Option, um halb 9 ist es stockduster.

      Irgendwann war ich in Wuppertal und mir ging die Zeit aus, zudem überall deutsche Polizei und ich ohne Licht.
      Im Zwielicht überholte ich irgendwann sogar innerorts widerrichtlich die Autos und fuhr einfach nur noch wie ein irrer :/

      Die restliche halbe Stunde musste ich im Dunkeln fahren, ohne Licht. Ich ließ den Blinker dauerhaft blinken, sodass man von vorne wenigstens irgendwas sieht und sah einfach nur noch zu, dass ich ankam.

      Um 21:35 erreichte ich im Dunkeln mein Ziel und viel zitternd vom Moped in die Arme meiner Freunde, welche mich bei sich in Empfang nahmen und mich mit Bier und Nürnbergen aufpeppelten.
      Tagesetappe: Über 550km, unterwegs von 9 bis 21:35, 12,5 Stunden unterwegs. Reine Fahrzeit weiß ich auch nicht, es müssen aber 11,5 Stunden gewesen sein. Eine Pause, ansonsten nur Tankstopps und Ampelgymnastik.
      @Der Alte: Weiß ich bis heute nicht, habe noch nicht ernsthaft geguckt. Aber nachdem ich irgendwann bemerkt habe, dass das Rücklicht geht und irgendwann die Batterie wieder voll war, vielleicht doch nichts schlimmes. Bald habe ich zeit und lust für sowas, dann schaue ich :)

      Naja, wo hatten wir denn viele Defekte? ?(

      Unser erstes Problem war ein DDR-Radlager, das einzige das wir nicht gewechselt hatten, weil es vor Fahrtbeginn noch gut war. (Faul und dumm)

      In dem Zuge haben wir bemerkt, dass auch die anderen Lager Probleme machten und haben diese getauscht.

      Bis auf die rutschende und danach defekte Kupplung hatten wir auf 1300km keine Probleme.
      Nach 1300 km ging dann leider die Kupplung ganz kaputt und meine hat seitdem auch noch mal etwa 1500km abgespult, ohne Probleme. (Klemmer und Elektronik ausgenommen)
      Also für fast 3000km und die erste große Tour finde ich das keine schlechte Leistung.
      Und für die Kupplung konnten wir nichts. Wir haben gesagt, dass wir die Motoren komplett machen lassen, das war einfach pech.

      Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Timb0o“ ()

      Beim Demontieren der Kupplung musste ich feststellen, dass die große Kupplungsmutter lose war und nur noch vom Arretierungsblech gehalten wurde, das hat das Rutschen wohl verursacht.
      Nur leider hat die Demontage den vermutlich bereits beschädigten Zuganker weiter beschädigt, sodass er nur noch ein paar Kilometer hielt.
      Wir hatten die Motoren komplett vom Profi machen lassen, um das als Fehlerquelle auszuschließen.
      Leider war das das größte Problem unserer Reise und hätten wir gewusst, dass der Ersatz so lange unterwegs ist, hätten wir uns auch irgendwo eine Schrauberwerkstatt gesucht und das schweißen lassen :/

      Grüße
      @vöelchen: Na dann, glück gehabt - wo ist dein Bericht?
      Und noch etwas: Wir haben die Dinger erst relativ kurz vorher gekauft und zusammen gebaut (Meine war lediglich ein Haufen Teile + Rahmen), da sind wir mit diesen Kinderkrankheiten eigentlich ganz gut weggekommen.
      @Der Alte:
      Zur Erinnerung: Es handelt sich um eine S50. Die hat zum Halten der 4 Federn Zuganker und Hülsen.
      Die Federn ziehen an besagten Ankern und diese sind an der Kupplung kaltverschweißt.
      Hätte man wohl mit einem einzigen Schweißpunkt reparieren können - aber aber, hätte hätte,

      Grüße
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      Bericht. Gibt es keinen. Ich gebe zu ich bin nicht am Stück 5000 km gefahren. Das sind aufsummierte einzelne strecken eines Jahres und mein Moped war vorher komplett überholt, zumindest was die Verschleißteile angeht. Die einzigen Defekte die ich bisher hatte waren Plattfuß aufgrund von einem Nagel und Klemmer aufgrund von falschen Mischöl und gebrochem Clip.

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