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Wie überprüfe ich meinen Motor auf Falschluft?

Wie prüfe ich meinen Motor auf Nebenluft?



1. Was ist Nebenluft überhaupt?



Normalerweise sind Brennraum (Zylinder) und Kurbelwellengehäuse unseres 2-Takt-Systems nur



über Ein- und Auslass mit der Außenwelt verbunden. Wenn man es genau nehmen möchte, lässt sich



das System Einlassseitig bis hin zur Luftfilterpatrone und Auslassseitig bis hin zum Auspuffendstück



erweitern. Wenn man die Benzinversorgung des Vergasers nun einmal vernachlässigt, haben wir also



genau einen Eingang und einen Ausgang im System. Für eben genau diesen Zustand ist das System



nun auch ausgelegt. Es wird eine bestimmte Menge Luft durch die Luftfilterpatrone angesaugt, die



dann im Vergaser mit einer bestimmten Menge Benzin versetzt wird um dann im Brennraum zu



verbrennen. Anschließend verlassen die Altgase das System über den Auslass/Auspuff. Nun kommt



aber nicht selten vor, dass das System an der einen oder anderen Stelle undicht ist. Wird durch



solche Undichtigkeiten nun zusätzliche Luft angesaugt, dann sprechen wir von Nebenluft/Falschluft.



2. Welche Symptome treten im Zusammenhang mit Nebenluft auf?



Am problematischsten wird Nebenluft wenn sie zwischen Vergaser und Auslass ins System eintritt, da



das vom Vergaser bereitgestellte Benzin-Luft-Verhältnis nachträglich verändert/abgemagert wird.



Folgen dieser Abmagerung können sein:



- Verminderte Motorleistung



- erhöhte Verbrennungstemperaturen



- schlechtes Kaltstartverhalten trotz Startvergaser



- helles Zündkerzenbild



- stottern bei Vollgas



- längeres nachlaufen des Motors auf hohen Drehzahlen trotz Standgasstellung



- Motor reagiert schlecht bis gar nicht auf verstellen der Leerlaufluftschraube



- Hohes Standgas nötig, da sonst der Motor abstirbt



3. An welchen Stellen kann Nebenluft in System eintreten und wie prüfe bzw. verhindere ich



dies?



Nun kommen wir also zum berühmten Nebenluft-Test. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen,



dass dieser Test nicht ganz ungefährlich ist. Es besteht Brand- und Explosionsgefahr. Am besten



bewegen wir das zu testende Objekt also ins freie und haben noch besser ein Löschetwas (z.B.



Feuerlöscher) zur Hand. Ich selbst habe diesen Test schon einige dutzend Male durchgeführt und



dabei kein offenes Feuer verursacht. Nichtsdestotrotz spreche ich mich hiermit von jeglicher Haftung



frei und betone, dass der Test, wenn, dann auf eigene Gefahr vollzogen wird. Besondere Vorsicht



sollte in der Nähe von Krümmer und Zündkerze gelten. Ich selbst habe noch nicht gewagt einen



zündungsseitigen Simmering von Motoren mit Unterbrecherzündung abzusprühen, da sich dort der



ein oder andere Funken am Unterbrecher bilden kann. Es soll aber Menschen geben, die das überlebt



haben.



Zum Testen benötigen wir am besten ein brennbares Medium, welches wir versprühen können und



welches sich optimaler Weise restlos verflüchtigt. Denkbar sind zum Beispiel Bremsenreiniger oder



Starthilfespray. Dieses wird dann bei laufendem Motor auf eine der betreffenden Stellen gesprüht



und dabei auf den Motorlauf geachtet. Man muss dabei nicht sonderlich großzügig sprühen. Weniger



ist also mehr. Sollte die betreffende Stelle nun undicht sein wird dort dann unser Medium angesogen



und führt zu einer Anfettung des Benzin-Luft-Gemisches. In der Regel senkt sich dann die Drehzahl



des Motors oder er stirbt sogar ab. Es kann aber auch passieren, dass die Drehzahl sich hebt. Beides



ist hinsichtlich Nebenluft auffällig. Sollte die Stelle nicht undicht gewesen sein passiert nichts.



Am häufigsten tritt Nebenluft über die Verbindung zwischen Vergaserflansch und Zylinderflansch ein.



Die Ursache dessen liegt oft in einem verzogenen/unebenen Vergaserflansch oder an einer alten



Flanschdichtung. Der Vergaserflansch lässt sich relativ leicht mit einer breiten Flachfeile oder mit auf



eine Glasplatte gespanntem Schleifpapier planen. Die Dichtung kann man noch leichter einfach



erneuern.



Nicht viel weniger häufig tritt Nebenluft an einem undichten Kurbelwellensimmering ein.



entsprechende Simmeringe finden sich zündungsseitig (Fahrtrichtung rechts) unter der Grundplatte



bzw. kupplungsseitig (Fahrtrichtung links) hinter dem Primärritzel. Problematisch ist, dass diese



Simmeringe sich nur bei den Motoren der neueren Generation (S51, S70, KR51/2, SR50, SR80, etc.)



ohne Spalten des Rumpfes wechselbar sind. Einen undichten Simmering zündungsseitig erkennt man



auch häufig daran, dass der Raum um die Grundplatte, die Grundplatte selbst und/oder zumindest



der Simmering ölfeucht sind/ist. Das liegt daran, dass durch den undichten Kurbelwellensimmering



nicht nur Luft ein, sondern auch Benzin-Luft-Gemisch austritt. Man muss dort also nicht zwangsweise



mit Bremsenreiniger panschen. Kupplungsseitig ist es ungleich schwieriger Undichtigkeiten mit den



zuvor genannten Methoden zu finden, da man den Motor in der Regel nicht ohne Getriebeöl und



Kupplungsdeckel laufen lässt bzw. lassen sollte. Man kann einen undichten Simmering diesseitig aber



auch erkennen, indem man am Getriebeöl schnuppert. Riecht es nach Benzin könnte der Ring



undicht sein. Dass diese Methode fragwürdig ist, da mitunter die Karre selbst oder die ganze



Werkstatt nach Benzin riechen, müsst ihr mir nicht erzählen. Es ist aber durchaus möglich Benzin im



Öl zu erschnuppern. Davon abgesehen ruft ein undichter Simmering kupplungsseitig aber auch



andere Symptome hervor. Da wären beispielsweise verstärktes (ehr weißliches) Qualmen aus dem



Auspuff oder verölte/dunkle Zündkerzenbilder zu nennen.



Eine weitere Stelle, wo es zu Nebenluftproblemen kommen kann ist die Dichtfläche zwischen



Zylinderfuß und Motorrumpf. Hier kann man wieder Problemlos absprühen. Es müsste sich dort bei



Undichtigkeiten aber auch Siff bemerkbar machen. Problem sollte mit einer neuen



Zylinderfußdichtung behoben sein.



Weiter tauchen Nebenluftproblem auch an der Dichtfläche zwischen Zylinder und Zylinderkopf auf.



Auch hier kann man wieder absprühen oder nach Siff suchen. Ursache der Undichtigkeit liegt



entweder an einer beschädigten Dichtfläche (ehr auf der Zylinderkopfseite zu suchen, da weicheres



Material) oder an einem verzogenen Zylinderkopf. Zylinderköpfe verziehen sich gerne mal, wenn



man beim Fest- bzw. Lockerschrauben nicht gleichmäßig (in Teilschritten) und überkreuz arbeitet.



Abhilfe schafft ein neuer Zylinderkopf, Plandrehen lassen der Dichtfläche im Metallbetrieb um die



Ecke oder ähnlich wie beim Vergaserflansch: händisches Planschleifen auf gespanntem Schleifpapier.



Bei den beiden letzten Methoden ist darauf zu achten, dass sich durch den Materialverlust das



Quetschmaß ändert.



Zu guter Letzt kann sich Nebenluft noch über das Zündkerzengewinde ins System schleichen. Ist zwar



ehr seltener der Fall sollte aber der Vollständigkeit halber mit erwähnt sein. Im einfachsten Fall ist es



mit einer neuen Kerze inklusive Dichtring getan. Falls jedoch die Dichtfläche oder das Gewinde



zylinderkopfseitig eine Macke hat, ist das ehr ein Fall für einen Fachbetrieb oder für die Tonne.