Wie stelle ich meine Unterbrecherzündung richtig ein?

Nekro
08-09-2016 10:00

Einstellen einer Unterbrecherzündung

1. Kontrollieren bzw. Setzen der Einstellmarkierungen.

Ab einem bestimmten Baujahr besitzen die Zündungen Markierungen auf Polrad (2), Grundplatte(3) und Motorengehäuse (1) (siehe Bild), welche das Einstellen der Zündung erleichtern sollen. Ist aber bereits eine, die Zündung betreffende Komponente (Polrad, Grundplatte, Kurbelwelle, Motorgehäuse) getauscht worden sind die Markierungen hinfällig und bedürfen einer Kontrolle. Besitzer älterer Zündungen/Motoren ärgern sich darüber, gar keine Markierungen zu haben. Ist dies der Fall empfiehlt es sich welche zu setzen

[Quelle: http://www.mopedfreunde-oldenburg.de/assets/images/markierung_zundung.jpg ]

 

Wir demontieren also den rechten Seitendeckel des Motorengehäuses und entfernen den Zündkerzenstecker und die Zündkerze vom Zylinderkopf. Nun benötigen wir ein Werkzeug, um den Weg des Kolbens messen zu können. Dafür eignet sich am besten eine Zündeinstelluhr. Zur Not und zum Leidwesen der Genauigkeit geht auch eine Schiebelehre mit Tiefenmesser. Abzuraten ist davon, einfach einen Schraubenzieher ins Kerzenloch zu stecken. Damit wäre es vielleicht noch möglich den oberen Totpunkt (oT) zu finden, jedoch scheitert es spätestens daran zehntel Millimeter zu messen.

Unser Werkzeug führen wir nun in das Kerzenloch ein. Anschließend drehen wir solange im Uhrzeigersinn am Polrad, bis der Kolben seine maximale Höhe im Zylinder (oT) erreicht hat. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass man sich einer bestimmten Kolbenposition (sei es nun oT oder ZZP) immer durch Drehen am Polrad im Uhrzeigersinn (also in Laufrichtung des Motors) nähert, um das leichte Spiel, was zwischen Polrad und Kolben herrscht auszuklammern. Hat man über die gewünschte Position hinaus gedreht, muss man also etwas weiter als die Position zurückdrehen, um sich erneut im Uhrzeigersinn nähern zu können.
OT haben wir dann gefunden, wenn der Zeiger unserer Zündeinstelluhr von einer Bewegung im Uhrzeigersinn gerade umkehren will oder der Tiefenmesser unsere Schiebelehre nicht weiter einfährt. Wir lesen nun den Werte unsers Messinstrumentes ab um ihn uns zu merken oder gar zu notieren. Hat man ein entsprechendes Messgerät benutzt kann man dieses auch Nullen.

 

Nun gilt es die Position des Kolbens einzustellen, welche dem ZZP entsprechen soll. Dazu folgende Übersicht über die verschiedenen ZZP:

Motortyp

Fahrzeuge (Bsp.)

ZZP

M5x

Spatz, Star, Sperber, Habicht, Schwalbe (KR 51/1), S50 

1,5mm vor oT

M5x1 

S51, Schwalbe (KR 51/2), SR50 

1,8mm vor oT

M7x1 

S70, SR80 

1,4mm vor oT

Motoren mit "Tuning"- Zylindern

-

Angaben des "Tuners" beachten

 

Um nun den Kolben auf die Position des ZZP zu bringen drehen wir vom OT ausgehend zuerst entgegen dem Uhrzeigersinn und zwar weiter als die Angabe für den ZZP sagt, damit wir uns anschließend der gewünschten Kolbenposition wieder im Uhrzeigersinn nähern können.

(An dieser Stelle kann man auch gern mal probieren, was es für den ZZP bedeutet, wenn man das Polrad auch nur wenige grad verdreht. Schwubs liegt man schnell 0,2mm und mehr daneben. )

Wie dem auch sei, ist man sich sicher die richtige Position gefunden zu haben (dafür auch gern mehre Male von vorn beginnen, bis man sich wirklich sicher ist) vergleicht man die Markierung vom Polrad mit der des Motorengehäuses bzw. setzt am Motorengehäuse eine Neue, falls keine vorhanden war oder die alte nicht stimmt. War gar keine Markierung vorhanden setzt man einfach beide neu. Eine gute stelle dafür ist bei etwa 10Uhr. Dabei Obacht geben, dass der Blickwinkel beim übertragen der Markierungen möglichst gerade fällt, sonst macht man Fehler. Solange man nun nicht eine der betreffenden Zündungskomponenten tauscht muss man sich ab hier nie wieder Gedanken um das Messen des Zündzeitpunktes machen, sondern hält sich einfach an seine Markierungen.

Bitte keine Scheu haben. Wenn man das noch nie gemacht und nicht nur linke Daumen an den Händen hat, dann braucht man bis hier kaum mehr als 10min. Ein geübter Schrauber macht es in 2. Aber ich schildere mit Absicht etwas genauer, da sich doch der ein oder andere Fehler einschleichen kann.

 

2. Einstellen/Kontrolle des Abrissmaßes

Das Abrissmaß wird von vielen, auch zweifellos guten Schraubern unbeachtet gelassen. Des Sinn dieses Maßes ist die Stellung von Polrad zur Grundplatte(genauer: zur Primärspule) im Zündzeitpunkt zu beschreiben. Siehe dazu die Bilder weiter unten. Zu sehen sind die Abrissmaße der beiden verschiedenen Unterbrecherzündungstypen (Unterbrecher unten-/ bzw. obenliegend). Die Primärspule ist immer diejenige, welche sich im Uhrzeigersinn vor dem Unterbrecher befindet. Die Theorie, die dahinter steckt ist folgende. Beim Umlaufen der Magnete des Polrads um die Spulen wird Wechselspannung erzeugt. Wechselspannung zeichnet sich dadurch aus, seine Polarität periodisch zu ändern. Trägt man sich einmal den Spannungsverlauf (u[t]) über die Zeit in einem Diagramm auf erkennt man, dass der eigentliche Wert der Spannung sinusförmig um 0Volt schwankt. Will man nun einen möglichst kräftigen Zündfunken erzeugen, muss man dafür sorgen, dass wenn der Unterbrecher im ZZP öffnet, er dies dann tut, sobald in der Spule gerade die maximale Spannung erzeugt wird. 

 

[ Quelle: http://trabitechnik.com/images/zweitaktmotoren/4-54.jpg
             http://trabitechnik.com/images/zweitaktmotoren/4-53.jpg]

 

Klingt kompliziert, ist aber praktisch ganz einfach. Wir lösen zunächst die Haltekrallen der Grundplatte, damit wir sie verdrehen können. Nun stellen wir unser Polrad wieder auf ZZP und verdrehen dann die Grundplatte so, dass die in den Bildern beschriebenen Abstände vom Spulenschuh zur Magnetkante eingehalten werden. Dann schrauben wir die Grundplatte wieder fest und fertig. Je genauer man hier arbeitet, sich also an den Sollwert hält und nicht an den angegebenen Toleranzgrenzen kratzt, desto kräftiger wird später der Funke. Das äußert sich vor allem in einem sehr guten (Kalt-)Startverhalten des Motors. Nun könnte man noch die Markierung vom Motorgehäuse auf die Grundplatte übertragen, um bei einer etwaigen Demontage der Zündung die Abrissstellung der Grundplatte beim Neueinbau schnell wieder zu finden. 

 

 

3. Einstellen des Unterbrechers

In dem Moment, wo der Unterbrecher öffnet, entsteht der Zündfunken. Damit er dies auch zum Zündzeitpunkt tut, gehört er an seinem Langloch eingestellt. Ja richtig gelesen: Wir ändern den Zündzeitpunkt nicht indem wir die Grundplatte verdrehen, sondern indem wir den Unterbrecher in seinem Langloch verstellen. Damit erreichen wir, dass der Hebel des Unterbrechers entweder früher (für mehr Frühzündung) bzw. später (für mehr Spätzündung) auf den Polradnocken trifft. So und nicht anders steht es bereits in den Original Reparaturanleitungen unser Simson Fahrzeuge! (zum Vergleich: Reparaturanleitung auf den Seiten 131 bis 135)

Um genau zu erkennen wann der Unterbreche öffnet, sind einige Hilfsmittel denkbar. Die mitunter genauste wäre sich eine kleine Schaltung mit einer Batterie und einer Glühlampe, welche über den Unterbrecher geschalten wird, zu basteln. Dazu muss man zuerst die Kontakte, welche am Unterbrecher hängen, abschrauben. Dann verbindet man mit einem Kabel die Stelle am Unterbrecher, an der eben noch die zu entfernenden Kontakte hingen, mit dem einen Pol der Glühlampe. Vom Anderen Pol der Glühlampe geht man mit einem weiteren Kabel zum Batterieplus. Batterieminus verbindet man dann noch mit Motormasse. Nun leuchtet die Lampe solange der Unterbrecher geschlossen ist. In dem Moment, wo der Unterbrecher öffnet, erlischt die Lampe. Dazu hier ein kleiner Schaltplan:

 

"schaltung.jpg" wird angezeigt.

[Quelle: https://drive.google.com/file/d/0Bza9A4tkZEHMdDc0dURReG91ZG8/view ]

 

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Zigarettenpapier oder ein Stück Alufolie zwischen die Kontakte des Unterbrechers zu klemmen. Man merkt den Moment in dem der Unterbrecher öffnet dann, wenn man das Papier/ die Folie leicht(er) herausziehen kann. Unterbrecherzündungsveteranen sehen ganz einfach den Moment in dem er öffnet. Sollte man die Glühlampenvariante benutzen, muss man nach erfolgreichem Einstellen des Unterbrechers noch die Verkabelung wieder in den Ursprungszustand zurückversetzen.

Hat man den Unterbrecher nun an seinem Langloch korrekt eingestellt, gilt es noch den Abstand der Kontakte des Unterbrechers bei seiner maximalen Öffnung zu kontrollieren. Dieser Abstand sollte im Idealfall 0,4mm betragen. Dazu dreht man das Polrad nun im Uhrzeigersinn einfach etwas weiter als ZZP bis der Unterbrecher sich nicht mehr weiter öffnet und misst den Abstand mit einer Lehre. Sollte der Abstand sich in den Toleranzen von +-0,05mm um 0,4mm bewegen ist das völlig in Ordnung. Ist der Abstand deutlich größer wird die Zündung wahrscheinlich auch funktionieren nur erhöht sich der Verschleiß der Unterbrecherkontakte, da sie beim Schließen heftiger aufeinander prallen. Ist der Abstand zu klein kann es Trotz intaktem Kondensator dazu kommen, dass sich ein Öffnungsfunken an den Kontakten bildet. Dieser Öffnungsfunken kann dazu führen, dass an der Zündkerze der Funken ausbleibt. Des Weiteren bewirkt er ein Abbrennen der Unterbrecherkontakte (=hoher Verschleiß).

 

Fällt nun Der maximale Unterbrecherkontaktabstand deutlich aus der Norm heraus, gilt es entgegen zu wirken. Man kann jetzt wieder die Grundplatte verdrehen (in den Toleranzen des Abrissmaßes versteht sich). War der Abstand zu groß verdreht man die Grundplatte etwas gegen den Uhrzeigersinn, war er zu klein verdreht man entsprechend mit dem Uhrzeigersinn. Dies geschieht dann aber zum Leidwesen des Starverhaltens, da man sich ja vom idealen Abrissmaß wegbewegt. Die bessere Möglichkeit ist den Unterbrecher zu bearbeiten oder noch besser gänzlich zu ersetzen. War der Abstand zu groß muss man am Hebel des Unterbrechers feilen, welcher auf den Nocken im Polrad greift, war er zu klein feilt man an den Kontakten selbst. Das Bearbeiten der Unterbrecherkontakte ist allerdings Problematisch und ehr als Notbehelf zu sehen, da sich dabei deren Qualität erheblich verschlechtern kann. Hat man eine der eben beschriebenen Varianten durchgeführt, muss man mit dem einstellen des Unterbrechers neu beginnen, da sich nun auch wider der ZZP verschoben hat. Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit Neuem Unterbrecher sowie bei korrektem Abriss und ZZP auch der maximale Unterbrecherkontaktabstand im tolerierbaren Bereich liegt, man also in den seltensten Fällen nachbessern muss.

Glückwunsch deine Zündung sollte jetzt korrekt eingestellt sein.

Es gibt aber noch ein paar Dinge im Zusammenhang mit der Unterbrecherzündung zu beachten:

Hat man einen neuen Unterbrecher verbaut kann es nötig sein die Zündung bereits nach etwa 200km noch einmal nachzustellen, da der Unterbrecherhebel sich ggf. auf den Polradnocken einschleift. Ansonsten liegt das Wartungsintervall bei etwa 2000km.

Auf der Grundplatte befindet sich ein Schmierfilz für den Polradnocken. Dieser gehört mit etwas dickflüssigem Öl getränkt (es gibt dafür spezielles Unterbrecheröl). Gemeint ist nicht der Filz, welcher am Unterbrecher selbst befestigt ist! Des Weiteren gehört auch der Bolzen, um den sich der Unterbrecherhebel dreht, geschmiert.

Oft wird bei Problemen mit dem Moped der Kondensator als Fehlerquelle vermutet. Man kann diese Vermutung erhärten, indem man während eines Startversuches den Unterbrecher in Augenschein nimmt. Sollte es an den Kontakten ein heftiges Funkenfeuerwerk geben, ist der Kondensator daran Schuld und gehört gewechselt. Damit man das beobachten kann, falls der Motor nicht anspringt, braucht man 2 Leute: einer tritt der andere guckt. Es kommt nicht selten vor das neu gekaufte Kondensatoren nicht funktionieren. Das liegt entweder daran, dass man beim Einbau zu viel Gewalt verübt hat, oder dass der Kondensator minderer Qualität war. Die Erfahrung zeigt das 1 von 3 Kondensatoren funktionieren. War der Kondensator schon längere Zeit defekt, ist meistens auch der Unterbrecher hinüber.

Kondensatoren haben weiter auch die Eigenschaft ihren Dienst nicht plötzlich zu versagen, vielmehr ist es ein schleichender Prozess. Das äußert sich darin, dass das Gefunke am Unterbrecher mit fortschreitendem Alter des Kondensators zunimmt. Optimal wäre natürlich gar kein Funken am Unterbrecher, das ist aber nur sehr selten der Fall und hängt sowohl von Zustand und Qualität des Kondensators, als auch des Unterbrechers ab.

Ein gebauchter Unterbrecher kann zwar optisch einen guten Eindruck machen, jedoch technisch nicht mehr in Ordnung sein. Auch bei Unterbrechern ist es ähnlich wie bei Kondensatoren so, dass sie nicht plötzlich versagen. Sie funktionieren einfach zunehmend schlechter, was sich beispielsweise in schlechtem Kaltstartverhalten, unrundem Leerlauf oder Zündaussetzern im Vollgasbetrieb bemerkbar machen kann. Im Idealfall sind Unterbrecherkontakte unverschmutzt (fett-, ölfrei) und glatt (nahezu poliert).

 

ENDE

 

 

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